Häufige Irrglauben und Fehlinformationen zu Qi Gong Teil 3


Hier geht es zur Einleitung mit Teil 1 und hier zu Teil 2 dieser Artikelserie.

Qi Gong ist nur für Frauen

Es freut mich, dass beide Geschlechter in unseren Qi Gong-Gruppen zumeist ausgewogen vertreten sind. Auch wenn es da so ein gewisses Vorurteil gibt, dass Frauen eher zu sanften Künsten wie Yoga und Qi Gong sowie zu „Esoterik“ neigen als Männer.

Qi Gong hat aber einerseits nichts mit Esoterik zu tun und andererseits ist es für alle Geschlechter gleichermaßen nützlich. Tendenziell sind die Männer besonders zum Beispiel an der Steigerung der Liebeskraft sowie der Umkehr von Haarausfall interessiert. Die Linderung von Menstruations- und Wechselbeschwerden stehen naturgemäß bei Frauen höher im Kurs.

Aber die ganzheitlichen Nutzen von Qi Gong, also die Gesundheit zu fördern, Leistungskraft sowie Vitalität für ein langes glückliches Leben zu entwickeln, sind sicherlich für jeden Menschen erstrebenswert.

Qi Gong ist nur für alte Leute

Auch dieses Vorurteil haben wir glücklicherweise widerlegt. Natürlich kann Qi Gong auch im hohen Alter noch erlernt werden und dabei Linderung vieler Beschwerden sowie Verbesserung des Balancegefühls und der Lebensfreude bescheren.

Aber viel besser ist es doch, schon früh mit dem Vorbeugen anzufangen. Wer gesund ist, profitiert außerdem am meisten von Qi Gong, da er/sie ein glücklicheres Leben führen und leistungsstärker beim Studium oder Job sein kann.

All jenen, denen die sanften Qi Gong-Übungen zu langweilig sind, empfehlen sich die Kampfkünste Tai Chi Chuan und Shaolin Kung Fu, welche besonders intensive Formen des Energietrainings sind und mehr Action und Abwechslung bieten.

Qi Gong Gruppe, jedes Geschlecht, jedes Alter

Alter und Geschlecht spielen keine Rolle. JedeR kann Qi Gong genießen und davon profitieren.

Qi Gong ist eine religiöse Praxis

Häufig wird Qi Gong dem Taoismus zugeschrieben, aber schon die bloße Existenz von Shaolin Qi Gong zeigt, dass es auch buddhistische Stile gibt. Nun sei aber gesagt, dass es in der chinesischen Sprache gar kein Wort für „Religion“ gibt. Die fernöstlichen Philosophien sind keine abgegrenzten Religionen im westlichen Sinne. Vielmehr sind sie Lehren weiser Meister wie Buddha, Laotse oder Konfuzius, die von den Chinesen gleichermaßen angenommen werden. Natürlich hat auch hier jeder seine eigenen Präferenzen, aber in China würde sich keiner selbst zum Beispiel als „Buddhist“ bezeichnen.

Auch wenn viele Stile von eben jenen Philosophien beeinflusst sind, so ist Qi Gong aber keine religiöse Praxis. Um es praktizieren zu können, muss man also nicht konvertieren, an irgendetwas glauben und auch keine Gebete sprechen.

Qi Gong ist allerdings eine spirituelle Praxis, welche bei Bedarf die Ausübung jeglicher Religion unterstützt. Spiritualität beginnt aber bereits damit ein heiterer, friedvoller und glücklicher Mensch zu sein, auch wenn man sich nicht für Religion interessiert.

Qi Gong wird immer in Zeitlupe ausgeführt

In den meisten Qi Gong-Präsentationen und -Schulen werden die Techniken sehr langsam ausgeführt. Das ist nicht prinzipiell falsch, aber generell empfiehlt es sich ein angenehmes, mittleres Tempo beizubehalten, da dies den Energiefluss besser anregt.

Besonders Übungen um einen kraftvollen Qi Flow auszulösen, wie zum Beispiel die 18 Juwelen werden schwungvoll ausgeführt.

Übungen wie „Schlagen mit großen Augen“ oder einige aus den 18 Lohan Künsten werden zwar entspannt, aber gar kräftig und schnell ausgeführt. Bei diesen Techniken kommt außerdem dazu, dass sie ein weiteres Vorurteil, nämlich dass Qi Gong immer still und leise ist, widerlegen, weil sie von kraftvollen Schreien oder anderen Lauten begleitet werden.

Wie bereits erwähnt sind auch Shaolin Kung Fu und Tai Chi Chuan Formen der Energiearbeit, also Qi Gong. Gerade Tai Chi wird zumeist als Zeitlupentanz praktiziert. Da wir es aber, wie ursprünglich entwickelt, als Kampfkunst betreiben, müssen wir die Techniken weit schneller als allgemein üblich ausführen, um sie rechtzeitig und wirkungsvoll einsetzen zu können.

Durch die Nase ausatmen

Durch diese weitverbreitete Praxis, bringen sich die meisten Praktizierenden um einen entscheidenden Effekt. Der Mund ist nämlich mit Abstand besser geeignet, um alte Energie und Giftstoffe auszustoßen.

Durch die Nase auszuatmen verlangsamt zwar den Atem und daraus folgernd auch die Geschwindigkeit der Praxis, aber wie im obigen Punkt erwähnt, ist die Zeitlupe nicht unbedingt das ideale Tempo.

Wenn in der Kampfkunst nur durch die Nase ausgeatmet wird und der Mund immer geschlossen bleibt, kann das langfristig sogar zu sehr negativen Auswirkungen führen.

Der Mund drückt vielerlei Emotionen aus. So nutzen wir ihn zum Beispiel zum Lachen, Weinen, Brüllen und Schreien. Den Mund immer geschlossen zu lassen, verhindert, dass Gefühle frei fließen und sich lösen können.

Zum Meditieren muss man sitzen

Bereits dadurch, dass Qi Gong eine Form der bewegten Meditation ist, ist auch dieser Irrglaube bereits widerlegt.

Aber nicht nur Qi Gong ist Meditation in Bewegung. Auch Radfahren, Tanzen oder Geschirrabwaschen kann zur meditativen Praxis werden. Entscheidend ist nicht die äußere Form, sondern der fokussierte Geisteszustand.

Daher ist die erste Fähigkeit, die wir erlernen, in den „Qi Gong-Geisteszustand“ einzutreten. Dieser verbessert die Ergebnisse bei allem was wir tun, insbesondere in unserer Praxis.


Not thinking about anything is Zen.
Once you know this, walking, sitting, or lying down, everything you do is Zen.”
- Bodhidharma


Es gibt viele Arten und äußere Formen der Meditation.

Unser Qi Flow wird auch gerne als „fließende Meditation“ (Flowing Meditation) bezeichnet.

Zum Abschluss jeder Übungseinheit bleiben wir noch ein wenig ruhig in der Standmeditation stehen.

Über die sitzende Meditation, die wohl höchste und schwierigste Form des geistigen Trainings, und dessen Nutzen und Gefahren findest du hier einen ausführlichen Artikel.

Qi Gong Gruppe Standmeditation

Die Standmeditation am Ende unserer Übungseinheit ist ein wichtiger Teil unserer Praxis.

Qi Gong ist gefährlich

Interessanterweise schrecken gerade in Asien viele Menschen davor zurück, Qi Gong zu erlernen. Der Grund dafür ist, dass die schaurige, chinesische Bezeichnung für negative Auswirkungen fehlerhafter Praxis abschreckt, nämlich „Fire escapes, Evil enters“ (Feuer entweicht, Böses tritt ein / Zou Huo Ru Mo)

Diese Bezeichnung ist aber nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern heißt einfach nur so viel wie „negative Nebenwirkungen“. Diese zu vermeiden ist ganz einfach: Finde einen guten Meister / eine gute Meisterin und folge den Anweisungen!

Generell ist Qi Gong aber ohnehin eine sehr sichere Angelegenheit. In Shaolin Wahnam haben wir außerdem unser Sicherheitsventil, den Qi Flow, der alle ungewünschten Effekte, sofern sie überhaupt entstehen, sofort wieder beseitigt.

Sifu Leo

Autor: Sifu Leonard Lackinger

 



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