Qi Gong ohne Qi ist heutzutage leider die Norm


Ein Vergleich zwischen sanfter Gymnastik
und authentischer Energiearbeit.


Shaolin Qi Gong Übung

Äußerlich ist kaum ein Unterschied zwischen authentischem Qi Gong und sanfter Gymnastik zu erkennen.


Die Ziele von Qi Gong

Der unmittelbare Zweck der Ausübung von Qi Gong, Kung Fu oder Tai Chi Chuan ist es den Fluss der Lebensenergie, des Chi (Qi), anzuregen. Viele wissen davon und manche schreiben sogar darüber, aber nur wenige erleben wirklich was das bedeutet.

Am Ende einer Qi Gong-Übungseinheit sollten Praktizierende sich frisch und munter fühlen und nicht erschöpft sein.

Das langfristige Ziel der Shaolin-Künste ist es vollständige Gesundheit zu gewährleisten, unabhängig davon welche Blockaden oder Probleme anfangs eventuell vorliegen.

Ist der Energiefluss harmonisch und ungehindert, sind wir frei von Krankheiten. Ist er kraftvoll, sind wir voller Vitalität und Lebensfreude.


Sanfte Gymnastik mit Qi Gong-Übungen

Nur ein kleiner Teil der weltweit Praktizierenden (inklusive jener im Herkunftsland China) schafft es wirklich mit dem Chi zu arbeiten und nicht bloß sanfte gymnastische Übungen auszuüben. Äußerlich ist der Unterschied zumindest für Laien meist auch nicht merkbar, aber am Nutzen der durch die Praxis entsteht, kann man erkennen ob jemand authentisches Qi Gong bzw. Kung Fu betreibt.

Auch Gymnastikübungen haben natürlich ihren Nutzen. Sie können das Wohlbefinden steigern, ein gewisses Maß an Entspannung verschaffen und den Blutkreislauf anregen sowie Muskeln und Gelenke lockern. Oft wird auch die Beweglichkeit verbessert. Wir werten das allein jedoch nicht als Energiearbeit. Den meisten Übenden ist leider nicht einmal bewusst, dass ihre Praxis nicht authentisch ist und geben sich daher damit zufrieden was sie haben. Es ist nahezu tragisch, dass selbst viele Qi Gong-Lehrer nicht an Chi glauben und die geringen Nutzen aus ihrer Praxis und Lehre mit westlichen Begriffen wie gesteigerter Lungenkapazität oder gesenktem Blutdruck zu erklären versuchen.

Die Nutzen von wahrhaftigem Qi Gong umfassen natürlich all jene von sanfter Gymnastik, aber auch noch vieles darüber hinaus, was mit Turnübung nicht zu erreichen ist.


Authentische Energiearbeit

Auch jene Gruppe, die das Glück hat authentisches Qi Gong zu lernen, praktiziert größtenteils auf niedrigem Niveau. Der erzeugte Energiefluss reicht nicht aus um tiefgreifende Veränderungen anzustoßen und gravierende Blockaden zu lösen.

Oft fehlt außerdem die systematische Herangehensweise, wodurch die Praxis nicht regelmäßig und gleichbleibend wirksam ist. Zwischenzeitliche, kleine Erfolge verpuffen deshalb rasch wieder.

Viele Lehrer verlieren kein Wort darüber wie ihre Schüler zuhause üben sollen. Vielmehr wird häufig der Eindruck vermittelt, dass die Ausübung alleine viel zu fehleranfällig ist und besser nur in Anwesenheit des Meisters (daher nur 1-2 Mal pro Woche) geübt werden sollte.


Qi Gong auf höchstem Niveau

Nur wenn Qi Gong systematisch und auf höchstem Niveau praktiziert wird, kann sein gesamtes Potenzial ausschöpfen. Der Unterschied hochwertiger Praxis zu anderen Stilen und Lehren ist dabei sogar weit größer als die meisten annehmen.

Anfänger in Wahnam, welche logischerweise auf unserem niedrigsten Level üben, praktizieren bereits nach wenigen Wochen auf dem Meisterniveau vieler anderer Schulen, was natürlich nicht bedeutet, dass sie deswegen schon Meister sind. Die äußerliche Bewegung mag vielleicht nicht so perfekt und anmutig sein, das eigentliche Ziel den Energiefluss anzuregen wird aber weit effizienter und effektiver erfüllt.

Grund dafür ist der durch meinen Sifu, Großmeister Wong Kiew Kit, in jahrzehntelanger Erfahrung ausgeklügelte Aufbau einer Trainingseinheit. Dieser ermöglicht es uns bei jeder einzelnen Trainingseinheit kraftvoll und effektiv zu üben. Besonders der dadurch entstehende kumulative Effekt der täglichen Praxis, führt zu unseren überragenden Ergebnissen. Der wichtigste Faktor ist aber sicherlich unser weltweit und historisch einzigartiger Chi Flow.


Qi Gong Gruppe im Chi FLow

Hochwertiges, authentisches Qi Gong ist in unseren Kursen an den spontanen Bewegungen im Chi Flow klar zu erkennen.


Der Vergleich in Zahlen

Sehen wir uns den Unterschied anhand eines Rechenbeispiels an. Wir nehmen an, dass man täglich etwa 20 Einheiten Energie verbraucht und je nach Effektivität des ausgeübten Stils frisches Chi aufnimmt. Weiters setzen wir für einen aussagekräftigen Vergleich voraus, dass alle anderen Faktoren (Alter, Gesundheitszustand, Talent, Schlaf, berufliche Anstrengung, ...) gleich sind, obwohl dies in der Realität aber nie der Fall ist.

Andrea, Birgit, Christian und David beginnen in verschiedenen Schulen mit Qi Gong.

Andreas Schule verwendet zwar Übungen aus dem Qi Gong, führt diese jedoch nur als sanfte Gymnastik und nicht als bewegte Meditation aus. Der Nutzen gleicht dadurch nur sanfter sportlicher Betätigung wie Joggen oder Nordic Walking und wird in unserer Rechnung nicht weiter berücksichtigt. Wenn die Stunde jedoch – wie leider oft – anstrengend und ermüdend ist, fällt die Energiebilanz eines Trainings sogar negativ aus.

Birgit und Christian finden einen authentischen Meister. Sie werden jedoch unsystematisch geschult und der Level des Stils ist nicht allzu hoch. Birgit übt täglich und Christian einmal pro Woche beim Kurs.

In Einheiten in denen es Birgit gelingt alles richtig zu machen, gewinnt sie 70 Einheiten Energie dazu. Großzügig schätzen wir, dass sie dies jeden 3. Tag schafft. Die anderen Trainingseinheiten sind wirkungslos wodurch sie an diesen Tagen verbraucht was sie zuvor aufgebaut hat. Der Monatsverbrauch liegt für alle bei 30 x 20 Einheiten Energie, also 600. Birgit gewinnt 10 x 70, also 700, dazu. Ihr Bilanz nach einem Monat ist somit ein Zuwachs von immerhin 100 Einheiten Chi.

Christian gelingt es 4 Mal im Monat im Beisein des Meisters sogar 80 Einheiten aufzubauen, also 320. Da er alleine gar nicht übt, ist dies bereits sein Endergebnis. Abzüglich der 600 Verbrauchseinheiten ist seine Bilanz mit -280 Einheiten negativ. Seine Wirkung verpufft zur Gänze.

David ist Shaolin Wahnam beigetreten und da er ein guter Schüler ist hält er sich an die ausführlichen und doch simplen Anweisungen seines Sifu. Er nimmt jede Woche am Kurs teil und übt jeden Tag zuhause.

Nehmen wir an, dass er pro Training ebenso wie Birgit nur 70 Einheiten Zuwachs hat (wahrscheinlicher sind 250). Durch seinen Eifer und seine hervorragende Ausbildung schafft er dies jeden einzelnen Tag. Da er wie die anderen nur 20 Einheiten Chi verbraucht, bleiben ihm täglich 50 übrig. Am Ende des Monats hat er also 1.500 Einheiten gesammelt (im wahrscheinlicheren Fall von 250 pro Tag sogar 6.900).

„Qi Gong“-Kurse bei denen man also vor Anstrengung schwitzend die Schule verlässt, verbrauchen Energie anstatt sie aufzubauen. Im Idealfall haben sie keinerlei Auswirkung. Authentisches Qi Gong auf niedrigem Niveau führt bei täglicher Praxis zu sehr schwachem Nutzen, der bei geringer Bedrohung (durch Krankheiten und Stress) ausreicht den Energiestand zu halten. Nicht jedoch um gravierende Blockaden zu lösen oder einen massiven Anstieg der Vitalität zu bewirken. Unregelmäßig praktiziert bringt es außer der sozialen Komponente des wöchentlichen Kursbesuchs gar nichts.

Hochwertiges Qi Gong, regelmäßig praktiziert, ist somit mindestens 15 Mal effektiver. Wahrscheinlich sogar eher rund 70 Mal. Voraussetzung ist aber auch hier regelmäßige, tägliche Praxis.


Fazit

Ich erwähne dies alles nicht um andere Schulen und Meister herabzusetzen oder um uns zu verherrlichen, sondern vielmehr um aufzuzeigen und die Leser erkennen zu lassen, dass es leider nicht selbstverständlich ist, dass die Qi Gong-Praxis auch wirklich Energiearbeit enthält. Qi Gong ohne Qi ist heutzutage leider die Norm.

Selbst bei authentischem Qi Gong gibt es eine große Kluft zwischen den Nutzen und Möglichkeiten, was die ausbleibenden Erfolge vieler Übenden beweisen. Häufig erkennen und bestätigen uns Schüler mit Vorerfahrung, dass sie viel Zeit und Geld mit ineffektiven Stilen verschwendet haben.

Außerdem soll dieser Artikel eine Warnung für unsere Schüler sein die Kraft unserer Praxis nicht zu unterschätzen und deswegen ins Übertraining zu schlittern.


Our concern is to tell our students not to over-train, and have fun. It is almost a joke.
- Großmeister Wong Kiew Kit


Unsere größte Gefahr ist es nicht keinen Nutzen aus der Praxis zu ziehen, sondern vielmehr durch zu effektives Üben ins Übertraining zu geraten. Unglaublich, aber wahr! Außerdem machen die bei uns gelehrten Fähigkeiten auch das Kampfkunst-Training in Shaolin Kung Fu und Tai Chi Chuan zur Energiearbeit, was heute wohl noch seltener ist als Qi Gong mit Qi.

Uns ist es ein großes Anliegen nichts blind zu glauben, sondern alles durch eigene Erfahrung zu bestätigen. Jeder der den Unterschied zwischen sanfter Gymnastik und authentischem Qi Gong kennenlernen will, ist herzlich bei uns willkommen.


Autor: Sifu Leonard Lackinger

 




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