Alles über innere Kraft Teil 2


Entscheidende Erkenntnisse und
die Funktionen innerer Kraft


Auch wenn innere Kraft in der chinesischen Kultur hauptsächlich mit dem Training einer Kampfkunst verbunden wird, reichen dessen Funktionen weit über den Kampf hinaus. Durch seinen Bruch mit der Tradition Schülern Qi Gong-Übungen erst nach jahrelangem Kung Fu-Training zu lehren, stellte unser Großmeister, Wong Kiew Kit, fest, dass seine Qi Gong-Schüler ebenfalls innere Kraft aufbauten.

Aus dieser Beobachtung erlangte er wichtige Erkenntnisse:

  • Innere Kraft ist nicht an die Anwendung im Kampf gebunden.
  • Chi Flow, also fließende Energie, ist die Grundlage und Voraussetzung für den Aufbau innerer Kraft.
  • Nicht die Techniken, sondern die angewandten Fähigkeiten sind entscheidend.


Pfeile schießen

Auch Qi Gong entwickelt innere Kraft

Basierend auf diesen Feststellungen konnte Sifu die Aufgaben der inneren Kraft wie folgt kategorisieren.

Die erste Funktion innerer Kraft ist es das Leben zu erhalten.

Qi sorgt dafür, dass unsere Organe funktionieren und kümmert sich um die Informationsübertragung zwischen ihnen. Die Energie stellt sicher, dass lebenswichtige Prozesse, wie zum Beispiel die Verdauung, funktionieren. Wei Qi, also Abwehrenergie, sorgt für unsere Abwehrkräfte. Wer authentisches Qi Gong regelmäßig praktiziert, wird daher in der Regel selten bis nie krank.

Auf der nächsten Stufe fördert innere Kraft das Leben.

Wenn nach dem Erhalten des Lebens noch Energie übrigbleibt, fördert diese das Leben. Tagesmüdigkeit gehört der Geschichte an. Wir haben genug Kraft für Arbeit und Spiel ohne außer Atem zu geraten und genießen ein harmonisches Leben.

Die höchste Aufgabe innerer Kraft ist es das Leben zu verbessern.

Große Mengen gesammelter Energie verhelfen uns dazu bei allem was wir tun bessere Ergebnisse zu erreichen. Wir können unsere Arbeit schneller fertig stellen, Situationen besser erfassen und Lösungen finden, sind bei unseren Hobbys erfolgreicher, haben im Sport mehr Ausdauer und Kraft zur Verfügung und auch sexuelle Kraft und Genuss werden gesteigert. In den traditionellen, chinesischen Kampfkünsten kann innere Kraft ihr volles Potenzial ausschöpfen und wird bei deren Ausübung auch in großen Mengen generiert.

Im Idealfall bekommt unser Tag 28 Stunden, da wir um 2 Stunden weniger Schlaf brauchen und durch gesteigerte Effizienz weitere 2 Stunden gewinnen.


Sifu Leo und Sifu Wong

Authentisches Shaolin-Training macht vital und glücklich

Die drei Entwicklungsstufen

Einige Meister nutzten ihre Energie nur für den Kampf, ohne auf ihre Gesundheit Rücksicht zu nehmen. Zu Zeiten als die Faust noch regierte, war das durchaus angebracht oder gar notwendig, aber heutzutage sollte das Fördern von Gesundheit und Vitalität im Vordergrund stehen. Ziele, die wir in Shaolin Wahnam der selten bis nie benötigten Kampfeffektivität immer voranstellen.

Besonders ironisch ist der Fall des Yang-Stil-Patriarchen Yang Deng Fu. Er war ein herausragender Kämpfer, galt aber als aufbrausend und kränklich und starb einen frühen Tod. Dabei hatte gerade er den Tai Chi Chuan-Stil seiner Vorfahren, indem er die Bewegungen runder und weicher machte, für gesundheitliche Zwecke optimiert. In seiner eigenen Praxis vernachlässigte er aber die ersten beiden Funktionen der inneren Kraft und kanalisierte all seine Energie in die Kampfanwendung.

In Shaolin Wahnam beachten wir immer die 3 Entwicklungsstufen und unser oberstes Prinzip ist „Safety First“. Daher kümmern wir uns erst um die Steigerung innerer Kraft, wenn ein ordentliches Maß an Gesundheit erreicht ist.

Die innere Kultivierung verhilft uns zu einem gesunden, glücklichen Leben und einem klaren, kraftvollen Geist. Fließt die Energie harmonisch, erfreuen wir uns guter Gesundheit. Ist der Energiefluss kraftvoll, erfahren wir große Vitalität und Leistungskraft. Wenn wir mehr Energie aufbauen als wir benötigen, wird sie im Dantian und den Seitenmeridianen gespeichert. Die dadurch gesammelten Reserven sorgen für eine nachhaltige Energieversorgung und ermöglichen so ein langes Leben.

Sifu Leo

Autor: Sifu Leonard Lackinger

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