Der Shaolin-Weg zum Nirvana

Die spirituelle Tiefe der Shaolin-Künste - Teil 3

Lotos Erwachen

Falls du es noch nicht getan hast oder wann immer dir etwas noch unklar ist,empfehle ich dir, diese Serie von Beginn an zu lesen.

Was ist Erleuchtung?

Die höchste Errungenschaft, die ein Mensch erreichen kann, hat nichts mit Geld, Macht oder sportlicher Leistung zu tun, nach denen sich so viele sehnen.

Vielmehr ist es, durch seelische Reinigung und Training des Geistes Einsicht und Erkenntnis zu verwirklichen.

Die „Erleuchtung“ zu erlangen, bedeutet, die kosmische Wirklichkeit vollständig zu realisieren und sich von Worten, Gedanken und sogar dem „Ich“ (dem Ego) zu lösen.

Erleuchtet zu werden, heißt nicht, mit dem Universum eins zu werden, sondern zu erkennen, dass man es immer schon war.

Im Zen-Buddhismus, der ursprünglich im Shaolin-Tempel als Chan-Buddhismus geprägt wurde, wird gelehrt, dass alles und jedeR „Buddhanatur“ hat. JedeR trägt also diesen „göttlichen Funken“ in sich, der jederzeit zum Leuchten gebracht werden kann.

In unserer Praxis kann es hin und wieder zu „Satoris“ (also Erweckungsmomenten) kommen, in denen wir uns weit über den Körper hinaus in den Kosmos ausdehnen, einen Einblick in die Welt hinter dem Schleier erlangen und die Verbundenheit mit allem direkt erfahren können.

Auch wenn diese Momente eine wunderbare Erfahrung sein können, damit ist die Reise noch nicht zu Ende.

Komsos Buddha

Der Weg zur Erleuchtung

Die elementaren Schritte, um die Erleuchtung zu erlangen, sind klar vorgezeichnet:

  • Vermeide Böses
  • Tue Gutes
  • Kultiviere deinen Geist

Die ersten beiden Aspekte sind moralischer Natur. Hierfür sind uns die 10 Shaolin-Gesetze ein hilfreicher Leitfaden. Im Buddhismus dient der „8-fache Pfad“ als Wegweiser.

Auf dieser Grundlage gibt es, wie im ersten Artikel dieser Serie erwähnt, viele verschiedene Wege zum Erwachen. Auch im Buddhismus gibt es viele unterschiedliche Auslegungen und Strömungen.

In der Theravada-Schule, welche im Westen früh große Verbreitung fand, versucht man, neben moralischer Entwicklung, möglichst kein Karma mehr zu erzeugen, also dem endlosen Spiel aus Ursache und Wirkung zu entgehen. Idealerweise wird man also Mönch oder Nonne und zieht sich ins Kloster zurück, um den gewöhnlichen Alltagsgeschehnissen zu entfliehen.

Schritt für Schritt arbeitete man sich eine Stufe nach der anderen nach oben, bis die Seele schließlich Erlösung findet. Ein Prozess, der viele Leben überdauern kann.

 

Der Zen-Buddhismus steht für die sofortige Herangehensweise. Moral und Mitgefühl spielen auch hier eine große Rolle. Jedoch zielen dessen höchste Meditationspraktiken direkt auf die Leere und das Erfahren der kosmischen Wirklichkeit ab. Durch die Erfahrung soll man aus der Ignoranz „erwachen“.

„Alles, was du jetzt bist, ist das Resultat deiner Gedanken.“
- Buddha

Wenn Samsara („die Welt der Erscheinungen“) durch Gedanken geprägt, ja gar davon erschaffen, ist, die wiederum alles Weitere entstehen lassen, gilt es also diese Gedanken zu überwinden; aufzulösen.

Die beste Methode dafür ist Meditation.

Mediation muss aber nicht unbedingt im Lotussitz stattfinden, wie viele denken. Außerdem ist die sitzende Meditation ungeeignet für Ungeübte auch wenn sie für Fortgeschrittene und Mönche, den Königsweg zur spirituellen Kultivierung repräsentiert.

Mönch in Zen-Meditation

Sitzende Meditation ist die wichtigste Methode zur Erleuchtung, aber ist sie für jeden Entwicklungsstand das richtige Mittel?

Gut vorbereitet mit den passenden Mitteln und Methoden

Bodhidharma, der erste Patriarch des Zen-Buddhismus, erkannte, dass die Shaolin-Mönche nicht gesund, fit und stark genug für ihre oft stundenlange sitzende Meditation waren. Darum lehrte er sie sanfte Energie- und Bewegungsübungen, mit denen sie sich reinigen und stärken konnten.

Diese waren die 18 Lohan Hände, die Sehnenmetamorphosen und die Knochenmarksreinigung. Allesamt Übungen, die heute als Shaolin Qi Gong bekannt sind.

Später hielten die Kampfkünste Einzug im Shaolin-Kloster. Einerseits, damit die Mönche nicht schutzlos ausgeliefert waren, aber auch weiterhin, um Ihnen Kraft, Klarheit, Mut und Ausdauer für ihren spirituellen Fortschritt zu verleihen.

Eine Tatsache und Maßnahme des ersten Patriarchen, die viele Zen-Praktizierende übersehen. Willst du also deine Meditation auf eine gute Basis stellen und dadurch immens vertiefen, solltest du dich mit zunächst mit authentischem Qi Gong oder traditionellen Kampfkünsten beschäftigen.

Egal ob du Zen-Meditation, Achtsamkeitsmeditation oder jegliche andere Form davon ausübst, beginne besser am Anfang und bereite dich zuerst vor!

Viele unserer SchülerInnen haben uns bestätigt, dass ihre Mediation durch das Training mit uns nun auf einem ganz anderen Level ist. Interessanterweise haben die meisten die sitzende Mediation sogar aufgegeben, weil sie ihre Ausübung der Shaolin-Künste sogar als effektiver erfahren haben.

Außerdem ist das Shaolin-Training viel angenehmer und sicherer, während sie ihre eigentlichen Ziele, nämlich ein gesundes, glückliches und langes Leben zu verbringen, damit sogar besser erreichen können.

Bodhidharma

“The essence of the Way is detachment. And the goal of those who practice is freedom from appearances.”
„Die Essenz des Wegs ist Loslösung. Und das Ziel jener, die praktizieren, ist die Freiheit von Erscheinungen.“
- Bodhidharma

Aber keine Frage, auch wer sein Leben ganz der spirituellen Kultivierung verschreiben möchte – was kein erklärtes Ziel unserer Schule ist – kann mit den Shaolin-Künsten eine stabile Basis schaffen, sich für den schwierigen, entbehrungsvollen Weg vorbereiten und diesen unterstützen. Schließlich waren die Kampf- und Bewegungskünste ja genau dafür gedacht.

Im nächsten Teil erfährst du, auf welche Weise dir die Shaolin-Künste bei deinem Streben nach Vervollkommnung und seelischer Befreiung helfen können.

 

Die Serie „Die spirituelle Tiefe der Shaolin-Künste“

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Sifu Leo

Autor: Sifu Leonard Lackinger



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Die Ausübung der angebotenen Shaolin-Künste ersetzen weder Arzt noch psychologische Betreuung, können jedoch jede medizinische Therapie begleiten und unterstützen.