Fragen und Antworten
Ausgabe 2017-14



Shaolin Qi Gong

In Shaolin Wahnam profitieren wir von einer einzigartigen Kombination aus Vielfalt und Tiefe in den Shaolin-Künsten.


Frage 1

Wenn man immer das Gleiche übt, macht man dann trotzdem immer Fortschritte?

Beim Fitnesstraining, muss man ja immer etwas mehr Gewicht verwenden, wenn man sich weiter steigern möchte. Bei gleichem Training bleibt man auf dem gleichen Stand stehen.

Wie ist das beim Qi Gong?

- Andrea

Ja und nein.

Nein, da es nicht „immer“ eine Steigerung geben wird, weil es auch Plateaus gibt, während denen nicht allzu viel Neues passiert und man – fälschlicherweise – den Eindruck haben kann, dass die Praxis keinen Effekt hat.

Aber ja, da man langfristig auch mit der genannten Vorgehensweise Schritt für Schritt endlos weiter Fortschritte machen wird.

In Shaolin Wahnam profitieren wir vom akkumulierten Effekt. Das heißt, die Effekte der einzelnen Übungseinheiten werden zusammengerechnet. Entscheidend hierfür ist, dass zwei „erfolgreiche“ Einheiten nahe genug beieinander liegen, also täglich.

Nehmen wir an, unser Körper kann jeden Tag 10 neue Einheiten an Energie aufnehmen und integrieren. Mehr als die 10 „verkraftbaren“ Einheiten zu generieren bringt nichts, außer dass auf lange Sicht Übertraining entstehen kann. Solange wir beständig weiterüben, kommt jeden Tag wieder ein kleines Bisschen dazu. Da unser Energiekörper an keine Grenzen gebunden ist und ja auch die physische Körpergrenze überschreitet, gibt es – anders als beim Fitnesstraining – keinerlei Limits oder Einschränkungen wie Körperbau, Geschlecht oder Alter. Im Gegenteil! Je länger wir üben, desto kraftvoller können wir werden. Da wir wissen, dass die Technik nicht entscheidend ist, sondern dass wir den Energiefluss anregen müssen, könnten wir auch einfach immer nur dasselbe machen, um Chi Flow zu generieren, und dennoch weiter voranschreiten.

In der Vergangenheit, ebenso wie heute, waren und sind Praktizierende oft nicht in der Lage beim Üben alle wichtigen und entscheidenden Faktoren richtig zu haben, oder sie wissen gar nicht welche das sind. Gerade im alten China wurde nicht viel erklärt, sondern man wiederholte einfach die gelernten Techniken wieder und wieder, in der Hoffnung, dass dadurch die gewünschten Effekte eines Tages hervorgebracht werden. Zumeist blieb das Niveau auf einer rein physischen, technischen Ebene.

Dennoch schaffte es einer aus tausend Übenden Meisterschaft und herausragendes Können zu erlangen, wenngleich es viele Jahre dafür benötigte. Diese Übenden hatten das Glück die nötigen Fähigkeiten zu entwickeln und überhaupt einen kleinen Effekt zu generieren. Anfangs gelang dies eher sporadisch. Dadurch wurde die aufgebaute Energie im Laufe der darauffolgenden Tage wieder verbraucht, bis endlich wieder alle Umstände perfekt waren und eine weitere erfolgreiche Einheit gelang. Nach und nach steigerten sich Können und Erkenntnis, wodurch statt einmal pro Woche zwei, drei und immer mehr Einheiten gelangen, bis es jeden Tag funktionierte und ganz natürlich wurde. Der Effekt der Vortage war also noch nicht aufgebraucht als bereits wieder ein wenig neue Energie dazukam. Unter dieser Voraussetzung konnte durch beständiges Wachstum ein neuer Meister hervorkommen.

In Shaolin Wahnam haben wir das große Glück von Anfang an in die nötigen Anforderungen für authentisches Qi Gong eingeweiht zu werden. Bereits in der allerersten Probestunde gelingt es den meisten sich zu entspannen, den Geist von irrelevanten Gedanken zu klären und den Energiefluss anzuregen. Fähigkeiten werden von Herz zu Herz übertragen. Sie müssen also nicht mühselig mit „Try & Error“ (Versuchen und Scheitern) erarbeitet werden, wenngleich sie durch tägliche Praxis gefestigt und vertieft werden müssen.

Soviel zur Theorie. Nun noch ein praktisches Beispiel. Einer unserer Shaolin Wahnam-Instruktoren lehrte seinen Vater die Qi Gong-Übung „Mond tragen“, welche er jahrelang täglich übte. Regelmäßige Angebote dem Vater noch weitere Übungen beizubringen schlug dieser wiederholt aus.

Eines Tages rief der dann über 80-jährige Vater bei unserem Instruktor an und war völlig baff und wusste gar nicht was er sagen sollte. Bis er überrascht und beeindruckt sagte: „Ich habe seit Jahrzehnten das erste Mal [im Stehen] meine Zehen berührt.“

Während es zwar ausreichen würde immer das Gleiche zu üben, so macht es natürlich trotzdem Sinn weiter von einem Meister weitere Übungen und Fähigkeiten zu erlernen. Unter Anleitung und Aufsicht eines authentischen Meisters macht man deutlich schneller Fortschritte. Mehr verschiedene Übungen zu kennen, hilft den meisten Praktizierenden durch Abwechslung die Motivation aufrecht zu erhalten. Außerdem ist es gut für verschiedene Zwecke besonders passende Werkzeuge zur Hand zu haben. Auch wenn regelmäßig Praktizierende selten bis nie krank werden, kann es ja mal vorkommen, dass meine eine Verletzung erleidet oder in einer schlechten Haltung geschlafen hat. Dann ist man froh zugehörige Übungen zu kennen.

Für höhere Ziele, wie die Leistungskraft in allen Lebensbereichen zu steigern, sich karmisch zu reinigen und spirituell zu kultivieren sind höhere Übungen und Fähigkeiten wie die Knochenmarksreinigung, die kosmische Dusche oder das kleine Universum sehr viel effizienter als ewig weiter „nur“ den Himmel anzuheben.

Kurz gesagt: Für relativ Anspruchslose genügt es theoretisch immer nur die gleiche, grundlegende Anfängerübung zu praktizieren, um die Grundversorgung zu gewährleisten und in kleinen Schritten voranzukommen. Wer aber nach Höherem strebt und die seltene Chance hat höhere innere Künste zu erlernen, sollte die Gelegenheit am Schopfe packen und von der Kombination aus Vielfältigkeit und Tiefe profitieren, um Effektivität, Effizienz und Genuss beim Üben zu optimieren.


Wasser heben

Wasser heben aus dem Tai Chi Chuan


Frage 2

Was hat die Übung „Wasser heben“ im Tai Chi Chuan für eine Bedeutung?

- Fatih

Das „Wasser heben“ wir gerne auch „Tai Chi-Starting Pattern“ genannt, weil viele Tai Chi Chuan-Sets (bzw. Formen) damit beginnen.

Leider ist wenigen bewusst, dass die Übung sehr viel innere Kraft und dadurch speziell kräftige Arme und Hände entwickeln kann. Hierfür empfiehlt es sich die Übung nicht bloß zweimal, sondern viele Male zu heben und zu senken. Das ist ein anschauliches Beispiel dafür wie die früheren Meister Geheimnisse in der Öffentlichkeit versteckt haben.

Insbesondere entwickelt die Übung „Lifting Force“, die beispielsweise eingesetzt werden kann, um die (bei Meistern oft sehr schweren) Arme des Gegners anheben zu können.

Als direkte, technische Anwendung wird die Pattern eher selten genutzt, aber das Anheben wie auch das nach-unten-Drücken können kurzfristig durchaus verwendet werden.


Frage 3

Ich fühle mich so aufgeladen wie schon lange nicht mehr.

Was soll man mit all der Energie tun?

- Claudia (in ihrer Qi Gong-Probestunde)

Setze die angesammelte Energie weise ein!

Nutze Sie um zum Beispiel spazieren zu gehen, Sport zu machen und deine Freunde zu treffen, einfach um dein Leben zu genießen.

Einige, die mit Qi Gong beginnen, um gesundheitliche Schwierigkeiten zu überwinden, nehmen später das Training einer unserer Kampfkünste auf. Auch dies ist ein wunderbarer Weg die generierte innere Kraft in Fluss zu halten und überschüssige Energie abzubauen.


Frage 4

Kann man jegliche Qi Gong-Übungen kombinieren für die „selbstmanifestierenden Chi-Bewegungen“?

- Elena

Ja, im Prinzip kann man – wie sonst auch – jegliche Übungen miteinander kombinieren und im Falle der selbstmanifestierenden Chi-Bewegungen flott und flüssig ausführen, um Momentum im Energiesystem zu generieren.

Praktisch gesehen, sind einige Übungen aber weit besser geeignet, um Schwung aufzubauen.

Eine bewährter Klassiker ist die Kombination aus „Himmel anheben“, „Berge schieben“ und „Mond tragen“. Ansonsten sind natürlich die schwungvollen Übungen aus den „18 Juwelen“ prädestiniert , um starke Chi-Bewegungen auszulösen.

Auf der anderen Seite sind Übungen wie „Abdominal Breathing“ oder beispielsweise „Wasser teilen“ weniger gut geeignet, um dem Übungsprinzip der „selbstmanifestierenden Chi-Bewegungen“ entsprechend schnell geübt zu werden.

Innerhalb der dafür passenden Übungen kann man aber frei auswählen und Übungen wählen, die einem besonders liegen oder den aktuellen Anforderungen gut entsprechen.


spontane Chi-Bewegungen

Heftige Chi-Bewegungen ermöglichen uns eine tiefe Reinigung von Blockaden jeder Art.


Frage 5

Meine Intuition sagt mir immer wieder welche Übungen ich machen soll und manchmal wechselt das täglich. Ich merke auch wie ich manchmal ins Intellektualisieren komme bezüglich Übungen. Durch was kann ich Intellektualisieren ersetzten, um davon loszukommen?

In den letzten Tagen, in denen ich nicht geübt hatte, habe ich mir gedacht ich könnte wiedermal „Berge schieben“ üben, doch ich denke mir andererseits auch wieder „Berge schieben“ könnte viel Force [Anm.: innere Kraft] aufbauen, aber reinigen ist ja das, was ich will.

Kannst du mir bei dieser Zwickmühle weiterhelfen?

- Bernhard

Ersetze das Intellektualisieren, indem du den drei goldenen Regeln folgst, durch "Loslassen" und "Genießen".

Wenn du deiner Intuition bei der Auswahl der Übung folgst, dann stelle die Auswahl anschließend nicht infrage.

 

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