Hao Yun Qi


Chinesische Kalligrafie


Der Einfluss von Qi Gong auf die chinesische Sprache

Die Erkenntnisse der Traditionellen Chinesischen Medizin und der Qi Gong-Praxis hatten großen Einfluss auf die chinesische Sprache.

Selbst vielen Chinesen ist heute gar nicht mehr bewusst woher so manche Bezeichnung oder Floskel ursprünglich abstammt.

Hier ein paar interessante Beispiele dafür:


Kai Huai & Kai Xin

Die Begriffe Kai Huai und Kai Xin hängen eng zusammen.

Kai Huai - großzügig sein

Kai Huai steht für einen „offenen Brustkorb“ und bedeutet sinngemäß großzügig zu sein. Außerdem verschafft ein offener Brustkorb dem Herzen Platz sich zu entfalten.

Kai Xin - glücklich sein

Wörtlich übersetzt man Kai Xin mit „offenes Herz“, sinngemäß bedeutet es aber „glücklich sein“. Jemand mit Kai Xin ist also glücklich.

Das Herz hat unter den Organen die Rolle des Kaisers. Wenn es dem Herz gut geht, ist schon viel gewonnen. Es pumpt nicht nur Blut durch den Körper, sondern gilt auch als der Sitz des „Shen“. Shen steht unter anderem für Geist, Seele, Verstand und Bewusstsein.

Unsere Qi Gong- und Kampfkunst-Praxis hilft uns unser Herz zu öffnen und aus dem Herzen zu lächeln, wodurch wir einfach glücklicher werden.


Wer die Qi Gong-Übungen „Der Schmetterling tanzt vor Blumen“ (Butterfly dancing in front of flowers) oder „Der General überblickt das Feld“ (General surveys field) aus den 18 Juwelen schon ausprobiert hat, weiß wie rasch das Öffnen des Brustkorbs hilft sich fröhlicher und zuversichtlicher zu fühlen.

Auch „Pfeile schießen“ und „Wasser teilen“ sind bestens geeignet um Depressionen, bei denen das Shen im Brustkorb eingesperrt ist, entgegenzuwirken und wieder ein glückliches Leben zu genießen.


Qi Gong Übung Schmetterling tanzt

Der Schmetterling tanzt vor Blumen
Butterfly dancing in front of flowers


Da Dan & Gu Qi

Da Dang - mutig, selbstbewusst

Mutigen Menschen wird im Chinesischen „Da Dan” zugesprochen. „Da“ heißt „groß“ und wird oft auch für „stark“ verwendet. „Dan“ ist die Gallenblase. Mutige und selbstbewusste Menschen sollen also eine „starke Gallenblase“ haben. Das kommt nicht von ungefähr, werden doch Emotionen und Charakterzüge von diversen Formen der Energie geprägt. Starke Gallenblasenenergie macht uns mutig, selbstbewusst und zuversichtlich.

Gu Qi - aufrecht, rechtschaffen

„Gu“ sind die Knochen und „Qi“ (Chi) bedeutet bekannterweise Energie. Jemand mit starker Knochenenergie hat eine aufrechte Körperhaltung und gilt auch moralisch als aufrecht, gerecht und rechtschaffen. Die Körperhaltung spiegelt das Selbstvertrauen einer Person wider.

„Himmel anheben” und „Berge schieben” aus den 18 Lohan Händen sind bestens geeignet um selbstbewusst und (in allen Belangen) aufrecht zu werden.

„Der goldene Leopard stärkt die Klauen“ (Golden Leopard Trains Claws) aus den 18 Lohan Künsten stärkt ebenfalls die Gallenblase.

Die Übung „Den Körper nach oben ziehen“ (Pulling Body) mit dem klingenderen Namen „Lohan erhebt sich aus dem Wasser“ (Lohan Emerges from Water) aus den Sehnenmetamorphosen ist besonders kraftvoll um Mut und Selbstbewusstsein zu fördern.

„Gu“, also die Knochen, stehen auch für innere Kraft. So heißt es zum Beispiel, dass das Training von Tiger-Formen im Shaolin Kung Fu die Knochen stärkt. Gemeint ist damit aber nicht das Skelett, sondern vielmehr die Essenz des Tigers, nämlich die innere Kraft. Unabhängig von der ausgeübten Technik verleiht uns die angesammelte innere Kraft also ebenfalls Mut und Selbstvertrauen.


Qi Gong Übung Berge schieben

Berge schieben
Pushing Mountains


Hao Yun Qi

Hao Yun Chi - Glück haben

Dies ist ein geflügeltes Wort in der chinesischen Sprache und wird auch als Glückwunsch verwendet. Schließlich bedeutet es „Glück haben“.

Wortwörtlich übersetzt offenbart sich die Herkunft des Begriffs. „Hao Yun Qi“ bedeutet „gute Energie-Zirkulation“. Ist der Energiefluss also harmonisch und kraftvoll, haben wir Glück im Leben.

Nicht wenige haben nach dem Beginn ihrer Qi Gong-Praxis ihren späteren Ehepartner kennengelernt, obwohl sie davor lange Zeit erfolglos gesucht hatten.

Viele Praktizierende berichten, dass sie auch beruflich viel erfolgreicher sind und ihnen „das Glück in den Schoß fällt“. Einer meiner Schüler hat zum Beispiel nach vielfachen Absagen nach ein paar Monaten Praxis plötzlich die Aufnahme zur Polizeiakademie bestätigt bekommen.

Das „kleine Universum“ ist eine sehr fortgeschrittene Qi Gong-Übung bzw. -Fertigkeit, die besonders dazu geeignet ist „Hao Yun Qi“, also das Glück zu fördern. Als wir nach einem Small Universe-Kurs in Toronto am Samstagabend Essen gingen, mussten wir befürchten zu elft keinen Platz in den überfüllten Restaurants zu bekommen. Als wir dann eintraten, wurden wir im vollkommen ausgebuchten Lokal rasch zu unserem Tisch geführt, da gerade eine große Gesellschaft aufgestanden und gegangen war.

Auch wenn viele das für Aberglauben oder Zufall halten werden, so bin ich doch – auch aus Erfahrung – davon überzeugt, dass Gutes zu Gutem führt und die Praxis der Shaolin-Künste zu Glück und Erfolg verhilft.


Fazit

Es hatte schon seinen guten Grund, warum sich diese Begriffe in die Sprache eingeprägt haben.

Qi Gong, die Kunst der Energiearbeit, und unsere Kampfkünste sind also bestens geeignet um ein glückvolles und fröhliches Leben zu führen und die Werte der Shaolin, nämlich Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Mut und Rechtschaffenheit, zu verkörpern.

Hao Yun Qi!


Autor: Sifu Leonard Lackinger

 




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