Fragen und Antworten
Ausgabe 2019-04



Qi Gong Spiel des Vogels

So genussvoll energetisches Shaolin-Training auch ist, weniger ist meistens mehr.


Frage 1

Welche Symptome gibt es bei Übertraining? 

Tritt Übertraining sofort auf oder erst nach einem längeren Zeitraum?

- Andy

Die Auswirkungen sind sehr individuell. Häufig treten Müdigkeit, Mattheit, Antriebslosigkeit, starke Emotionen und/oder schlechte Gedanken auf.

Es hilft uns zu verstehen, dass Übertraining kurzfristig oder langfristig auftreten kann.

Unsere wöchentlichen Kursstunden sind oft auch Übertraining. Wenn es nur manchmal und nicht zu drastisch ist, bemerken wir es gar nicht. Ich kann mich erinnern, dass ein Schüler mal relativ am Anfang unabsichtlich in eine Fortgeschrittenenstunde reingestolpert ist. Danach ist er nur nachhause und gleich eingeschlafen. Damit war das Übertraining aber auch schon wieder abgebaut und überwunden. Ein paar Monate später ist es ihm nochmals passiert. Diesmal war er dann aber soweit mit der höheren Intensität in Level 2 umzugehen und hat sich hinterher frisch und fröhlich gefühlt.

Oft schleicht sich Übertraining aber langfristig an und bleibt längere Zeit unbemerkt.

Als Richtlinie dient uns das Gegenteil von den Effekten, die wir uns von der Qi Gong- oder Kampfkunstpraxis erwarten. Wann immer wir bemerken, dass wir mehr müde als kraftvoll sind, oder emotional gereizt statt ruhig und ausgeglichen, sollten wir in Betracht ziehen, dass zu viel Energie im Spiel ist.

Dann ist es Zeit zu reflektieren. Wie kraftvoll haben sich meine letzten Übungseinheiten angefühlt? Habe ich kürzlich etwas an meinem Trainingsprogramm geändert, das heißt die Dauer oder die Übungsarten?
 
Auch sollte man in einer Übertrainingsphase nicht darauf reinfallen, dass man sich während und direkt nach dem Training sehr frisch und kräftig fühlt und automatisch schlussfolgern, dass es nicht am Training liegen kann. Wenn man 1-2 Stunden darauf plötzlich sehr müde wird oder andere seltsame Erscheinungen auftreten, deutet es nur darauf hin, dass das große Maß an Energie während des Übens gut in Fluss ist. Sobald der Fluss aber hinterher wieder abnimmt, drückt uns das Übermaß wieder runter.

Da die Symptome nicht bei allen gleich sind, ist es hilfreich sich die persönlichen Auswirkungen zu merken, falls man mal im Übertraining war. Somit hat man Marker bzw. Indikatoren zur Hand, falls es wieder passieren sollte und kann früher gegensteuern.

Hin und wieder ins Übertraining zu geraten ist nicht weiter schlimm, es sollte nur nicht lange Zeit ungeachtet fortgesetzt werden. Einfache Anpassungen in Qualität und/oder Quantität bringen uns schnell wieder in Balance.


Frage 2

Was ist der energetische Unterschied zwischen „Lifting Sun and Moon“ und „Chi to Dantian“?

- Rudi

Bei „Lifting Sun and Moon“ führen wir die Hände, mit den Handflächen nach oben, seitlich nahe am Körper hoch auf Brusthöhe und dann, mit den Handflächen nach unten, wieder hinab. Diese, häufig als „Anfangstechnik“ bezeichnete, Technik ist schwer unterschätzt. Wenigen ist bewusst, dass man diese Technik auf vielfach wiederholen kann, um guten Energiefluss und innere Kraft, speziell in den Händen, zu generieren. Auch der Energiefluss entlang des mikrokosmischen Orbits wird sehr gut angeregt, was sich häufig an körperlichem Vor-und-zurück-Schwingen zeigt.

Bei „Chi to Dantian“, führen wir die ausgestreckten Arme seitlich hoch über den Kopf und bringen die Hände dann an der Vorderseite des Körpers hinab zum Dantian. Die Technik wird mitunter auch „Collecting Chi from the Cosmos“ oder im Wudang Tai Chi Chuan auch „Two Aspects of Yin-Yang“  genannt. Schließlich sammeln wir die Energie vom Kosmos und führen sie sanft hinab zum abdominalen Dantian. Dies kann auch einen sehr guten verwurzelnden und stabilisierenden Effekt mit sich bringen.

Häufig verwenden wir beide Techniken zum Abschluss als Kickstart für den nachfolgenden Chi Flow. Nach „Two Tigers at Ready“ (mit den Fäusten an den Hüften) im Shaolin Kung Fu, öffnen wir die Fäuste und führen die Hände an der Seite einmal auf und nieder. Im Tai Chi Chuan führen wir die Hände von oben herab. Um den Energiefluss aber frei zu lassen, fokussieren wir uns nicht aufs Dantian und lassen die Hände eher auf die Seite gleiten, als sie direkt zum Dantian zu bringen.


„Sonne und Mond heben“

Chi to Dan Tian

„Chi to Dantian“


Frage 3

Ist es sinnvoll nach dem fortgeschrittenen Qi Gong-Kurs am Abend noch Kung Fu zu üben?

- Ina

Ja, du kannst ruhig noch dein tägliches Kung Fu-Training machen.

Da die fortgeschrittenen Qi Gong-Übungen und die Level 2-Stunden energetisch sehr kraftvoll sind, solltest du dich beim Kung Fu-Training allerdings auf die bewegten Übungen beschränken. Also nicht noch zusätzliche Übungen für den Aufbau innerer Kraft hinzufügen, wie das Zhan Zhuang oder One Finger Shooting Zen.

Die Bewegung im Kung Fu-Training wälzt die zusätzliche Energie aus der Fortgeschrittenenstunde gut im Körper um und baut Überschüsse ab.


Frage 4

Gibt es eine Übung die besonders gut geeignet ist, wenn man zwischendurch rasch einen Energieschub braucht?

- Dagmar

Das „Ringelspiel“ aus den 18 Lohan Händen massiert und aktiviert das „Ming Men“-Energiefeld sehr gut, wodurch viel Energie freigesetzt wird. Die Übung sorgt dadurch für einen guten Energieschub und eignet sich sehr gut für eine Pause bei einer langen Autofahrt und kann einen Kaffee oder Energydrinks unnötig machen.

Die effizienteste Methode sind sicherlich die Sehnenmetamorphosen. Drei Wiederholungen benötigen gerademal drei Sekunden und erzeugen dennoch eine gewaltige Menge an innerer Kraft. Es ist verständlich, dass viele uns nicht glauben werden, aber es hat schon seinen Grund warum die Sehnenmetamorphosen in Shaolin Wahnam als „Wow-Übungen“ bezeichnet werden.

Ähnlich, nicht ganz so stark, aber dennoch kraftvoll ist „Verkehrtes Hängen an Doppelhaken“ aus den 18 Lohan Künsten.

Wer es hat, kann natürlich auch einfach sein „kleines Universum“ aktivieren. Dazu genügt ein sanfter Gedanke und schon beginnt es zu fließen.

Generell ist es aber zumeist genug, wenn man morgens praktiziert. Dabei tanken wir genügend Energie, um über den Tag zu kommen. Das Üben Zwischendurch, speziell in der Mittagszeit, sollte nicht zur Gewohnheit werden. Hin und wieder können die angeführten Qi Gong-Übungen aber sehr hilfreich sein.

Um mit deinem Geschick zwischendurch rasch wieder zu Kräften zu kommen, ist der einfachste Weg folgender. Entspanne dich einfach und habe einen sanften Gedanken, dass frische Energie vom Kosmos durch dich hindurchfließt.


Qi Gong-Übung Ringelspiel

Das Ringelspiel aktiviert wunderbar, überwindet Sorgen und Ängste und ist obendrein gut für Wirbelsäule und Verdauung.


Frage 5

Sollen wir uns bei der Ausführung der Qi Gong-Übung vorstellen, dass das Chi zu fließen beginnt?

- Manuel

Du kannst dir sicher sein, dass es in unserer Anleitung enthalten wäre, wenn es notwendig oder wichtig wäre.

Wenn du deinen Geist leerst und die Übung ganz entspannt ausführst, beginnt das Chi ganz von allein zu fließen.

Besonders im Westen ist das manchmal verwunderlich, aber „weniger ist meistens mehr“. Wenn wir uns nur auf das Nötigste und Essenzielle beschränken, sind die Resultate viel besser, anstatt unnötige Gedanken zu erzeugen und uns den Fluss der Energie vorzustellen.

 

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