Fragen und Antworten
Ausgabe 2019-06



Pfeile schießen Qi Gong-Übung

Hochwertiges Shaolin-Training ist stets dreifache Kultivierung von Körper, Energie und Geist.


Frage 1

Körper und Geist werden ja als eins betrachtet.

Wo liegt bei Qi Gong der Fokus?

- Sandra

Generell deckt Qi Gong alle drei Aspekte unseres Daseins ab. Diese werden in der traditionellen chinesischen Medizin Jing, Chi und Shen genannt, also Körper, Energie und Geist/Seele.

Der Fokus verschiebt sich im Laufe des Fortschritts und kommt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Praktizierenden an.

Wenn man unter Verspannungen, Schmerzen oder Erkrankungen leidet, liegt der Fokus mehr auf dem Körper. Übungen wie die 18 Juwelen, Selbst-manifestierende Chi-Bewegungen, das Spiel der fünf Tiere oder die 18 Lohan Hände sind hierfür gut geeignet. Allesamt Übungen, die man als Anfänger lernt.

Nachdem körperliche Leiden überwunden wurden und wieder ein harmonischer Energiefluss vorherrscht, kann man immer mehr Energie ansammeln. Zum Beispiel mit Zhan Zhuang, also dem Standtraining, oder „Abdominal Breathing“.

Auf höchstem Niveau stehen das Training des Geistes und die Kultivierung der Seele im Vordergrund. Hierfür sind Übungen wie die Sehnenmetamorphosen, die kosmische Dusche oder das kleine Universum ideal.

Wichtig ist, zu verstehen, dass diese drei Aspekte nie exklusiv in Angriff genommen werden. Hochwertiges Shaolin-Training ist stets dreifache Kultivierung. Körper, Energie und Geist werden immer alle zugleich gestärkt, auch wenn die Betonung sich im Laufe der Praxis immer wieder mal verschiebt.

Shaolin Qi Gong ist ein weitrechendes und tiefgründiges System, das für Praktizierende jeglichen Fortschrittgrades geeignet ist und für vielerlei Anforderungen Mittel parat hat.


Frage 2

Die meisten Abwehrtechniken im Kung Fu sind ja mit den Händen.

Gibt es auch Abwehrtechniken mit den Beinen?

- Elena

Genau genommen, sind die Beine der wichtigste Aspekt in der Abwehr. „The Defence is in the Legs“ („Die Abwehr liegt in den Beinen“) ist ein häufig erwähntes Konzept bei uns. Es bedeutet jedoch nicht, dass wir Schläge mit den Füßen abwehren, sondern soll verdeutlichen, wie wichtig die Beinarbeit ist.

Bei jeder unserer Verteidigungen im Lehrplan von Shaolin Kung Fu und Tai Chi Chuan nutzen wir entweder einen Standwechsel oder sinken zurück. Damit bewegen wir das Ziel aus der Reichweite des Gegners. Das ist mit „The Defence is in the legs“ gemeint. Die Abwehrbewegung der Hände ist sozusagen Bonus und verschafft uns zusätzliche Vorteile.

Dennoch gibt es, vor allem bei der Abwehr von Kicks, auch echte Abwehrtechniken mit den Beinen. Interessante Beispiele hierfür sind „Immortal Li Steps on Clutch“ und „Immortal Li Kicks Clutch“ aus den „Drunken Eight Immortals“, bei denen man den ankommenden Kick ableitet oder sogar das gegnerische Bein einhakt.

Auch „Golden Cockerel Stands Majestically“ kann sehr gut eingesetzt werden, um mit dem angehobenen Knie einen ankommenden Knietritt abzuleiten.

Mit dem „Swaying Lotus Kick“, zum Beispiel in „Flowing Water Floating Clouds“ aus unserem Tai Chi Chuan vertreten, kann man Tritte unterbrechen bzw. abstoppen.

Eine ganz besondere, eigentlich geheime, Abwehr findet sich in der Partnerform zu unserem „Dragon-Tiger Set“. Hierbei nutzen wir den „Unicorn Step“ von „Dark Dragon Wags Tail“, um bei einer tiefen Attacke mit „Bail Moon from Sea Bottom“, den Arm des Gegners zwischen den Beinen einzufangen.


Immortal Li Kicks Clutch

„Immortal Li Kicks Clutch“


Frage 3

Übt man die 18 Juwelen immer in 3er-Kombinationen?

- Johannes

Nein, jede der einfachen Übungen dieser tollen Sammlung an Qi Gong-Techniken kann für sich selbst geübt werden.

Um die sogenannten „selbst-manifestierenden Chi-Bewegungen“ auszulösen, sind die 3er-Kombinationen ideal. Der innere Energiefluss wird sehr stark angeregt, sodass er sich in teilweise heftigen, spontanen, körperlichen Bewegungen manifestiert.

Wir sehen diese besonders schwungvolle Variante des Chi Flows als die „Platinkarte im Gesundheits-Qi Gong“ an.


Frage 4

Ich merke, dass ich den Chi Flow oft schon vor dem „Himmel anheben“ habe.

Ist es dennoch nötig die Übung zu machen?

- Lydia

Wir wissen, dass der Chi Flow das Wichtigste an der gesamten Qi Gong-Praxis ist. Toll, wenn du die spontanen Chi-Bewegungen auch schon auslösen kannst, bevor du überhaupt eine Übung gemacht hast.

Es ist dennoch besser den Chi Flow ein wenig zu zähmen und zumindest ein paar Wiederholungen einer Qi Gong-Übung zu machen. Wir sprechen sehr häufig von der Wichtigkeit von Energie und Geist in der Praxis und von deren positiven Effekten. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass der Körper ebenfalls eine Rolle spielt, wenngleich die Priorität auf den anderen beiden Aspekten liegen sollte.

Somit ist es besser sich in den Übungen auch ein wenig zu bewegen, zu drehen und zu strecken. Nach ein paar Wiederholungen kannst du dann in den Chi Flow loslassen.

Bei zwei Gelegenheiten macht es Sinn gleich direkt in den Chi Flow zu gehen, also ohne Übung. Einerseits, wenn du nur sehr wenig Zeit hast. Dann ist es immer noch besser 2-3 Minuten Chi Flow zu haben als gar nicht zu üben. Andererseits, wenn man im Übertraining ist und durch die Übungen nicht noch mehr Energie aufbauen möchte. Dann kann der Chi Flow helfen Überschüsse abzubauen und das Übermaß an Energie in Schwung zu bringen.


Qi Gong Gruppe Chi Flow

„Chi Flow“ ist der wichtigste Part in der Qi Gong-Praxis. Dennoch sollte man auch die wunderbaren Übungen genießen.


Frage 5

Wie schützt man sich davor, dass man an andere Energie verliert?

- Gaby

Energie fließt immer von hohen Niveaus zu niedrigeren Niveaus. Da du mehr Energie als die meisten Menschen hast, ist es nur natürlich, wenn du etwas davon an andere abgibst. So haben sie wenigstens auch was davon.

Wenn du merkst, dass dir in einer Situation die Energie ausgeht, sei entspannt und hab einen sanften Gedanken, dass frische Energie aus dem Kosmos in dich fließt und dich wieder auffüllt.

Falls sich ein Energievampir bewusst oder unbewusst bei dir bedient, trenne die Verbindung zu ihm. Gegebenenfalls zeige ich dir, wie man das macht.

 

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