Fragen und Antworten
Ausgabe 2019-01



Kampfkunst-Qi Gong

Durch das beständige Training der Shaolin-Künste sind wir allzeit bereit.


Frage 1

Wie bereitest du dich geistig für die Stunde vor?

Übst du vorher bestimmte Übungen, um schon eingestimmt zu sein?

- Ina

Nein, das ist nicht nötig. Vereinzelt konnte ich erst 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn in der Schule sein. Dennoch habe ich ganz normal unterrichtet.

Da ich normalerweise aber schon eine halbe Stunde vor Beginn da bin, mache ich einstweilen mein eigenes Training. Dabei nutze ich die Zeit einfach so gut ich kann. Für das Unterrichten wäre es aber nicht notwendig.

Ich bereite mich auf die Qi Gong-Stunden auch sonst üblicherweise nicht mehr vor. Heißt das, dass ich unvorbereitet unterrichte? Nein. Shaolin Wahnam Wien hatte im November sein fünftes Jubiläum und auch davor habe ich schon unterrichtet. All die Jahre des Praktizierens und Unterrichtens haben mich also auf die jeweilige Stunde bestens vorbereitet.

Ihr könnt mich auch mitten in der Nacht aufwecken mit „Sifu, bring uns bitte die 18 Lohan Hände bei“ und ich könnte einfach loslegen.

Spezielle Vorbereitung treffe ich nur, wenn ich neue Dinge unterrichte, wie zum Beispiel ein Kung Fu-Set.


Frage 2

Ein Freund von mir, der verschiedene Kampfsportarten machte, meint, dass man Tritte besser nicht höher als in den Schritt macht. Alle höheren Stellen greift man besser mit Schlägen an. Was hältst du davon?

- Monika

Abgesehen von Kampfsportarten, die keine Tritte verwenden, sind die Tritte in unserem Stil im Vergleich eigentlich relativ niedrig. Wir treten selten höher als bis zum Solar-Plexus, während in vielen Kampfstilen Tritte zum Kopf an der Tagesordnung stehen.

Im populären Hong Kong Wing Chun werden Kicks maximal bis zum Schritt, eher zu Schienbein und Knie ausgeführt. Im Ip Man Wing Chun gehören auch höhere Tritte dazu.

Die 36 Shaolin Beintechniken enthalten Kicks aller Art. Von Beinfegern am Boden bis hin zu „To-the-sky Kicks“, also Tritte, die steil nach oben ans Kinn gehen.

Wie sich in der Aussage „Nördliche Kicks, südliche Fäuste“ widerspiegelt, ist das nördliche Shaolin Kung Fu beinlastiger, während im südlichen Shaolin Kung Fu die Handtechniken dominanter sind. Das bedeutet natürlich nicht, dass es im Norden keine Handtechniken und im Süden keine Beintechniken gibt. Es ist lediglich eine Frage der Betonung. Im nördlichen Kung Fu finden sich häufiger hohe Tritte und Sprungkicks. Im südlichen Kung Fu verwenden wir hauptsächliche Tritte zwischen Schritt und Solar-Plexus. Der berüchtigte Tiger-Tail-Kick (Tigerschwanztritt) ist einer der Schätze des südlichen Kung Fu.

Eine weitere Redewendung im südlichen Shaolin Kung Fu besagt „Die Hände sind wie zwei Flügel (einer Tür), die Füße sichern den Sieg.“. Dementsprechend bereiten die Hände vor. Kicks und die Beinarbeit sorgen für den Rest.


Taijiquan Wasser heben

Die Hände machen den Weg frei, dann kommt der Kick.


Frage 3

Wir sollen ja nur mit 30% unserer möglichen Intensität üben. Wie kann man sich das vorstellen?

- Thomas

Es stimmt, dass das stärkste Resultat nicht immer das Beste für uns ist.

Um Übertraining zu vermeiden, achten wir darauf nicht zu intensiv zu praktizieren. Unser Training kann sehr kraftvoll sein, darum regulieren wir es auf ein passendes Niveau.

Die effektivste Methode dafür, ist nicht so tief in den Qi Gong-Geisteszustand einzutreten. Schließlich liefert unser „Shen“, also unser Geist, den größten Anteil am Effekt des Energietrainings.

Beim nächsten Mal üben, trittst du einfach mal nur halb so tief in den Qi Gong-Geisteszustand ein wie du könntest. Bei der Session darauf halbierst du nochmals. Mit einem Viertel deines Potenzials liegst du gut unter den angestrebten 30%. Schließlich ist weniger oft mehr.

Wie kann das aussehen? Stelle dich einfach hin und beginne direkt und ganz salopp mit der Übung.

Die Schüler von Shaolin Wahnam sind es so gewohnt in den richtigen Modus für effektives Qi Gong einzutreten, dass wir auch während des Übens ausreichend in den Qi Gong-Geisteszustand reinschlittern. Die nötigen Voraussetzungen für guten Energiefluss sind also gegeben, aber der Effekt wird nicht so gewaltig sein, wie wenn wir uns zu Beginn der Übungseinheit tief in die Meditation versenken.


Frage 4

Ist es wichtig in welche Himmelsrichtung man beim Üben schaut?

- Elena

Wenn es die Umstände zulassen, ist eine Ausrichtung gen Osten ideal. Auch Süden ist sehr gut. Somit ist man der Sonne zugewandt. In der südlichen Hemisphäre gelten die umgekehrten Himmelsrichtungen, also Westen bzw. Norden.

Wichtiger ist jedoch, sich davon nicht geißeln zu lassen. Hierbei handelt es sich nur um ein Sahnehäubchen.

Du brauchst also keinen Kompass mitnehmen, wenn du üben gehst.

Wenn du im Urlaub zum Beispiel an einem See oder am Meer üben kannst, dann richte dich dem schönen Ausblick zu und nicht stur Richtung Osten gegen eine Hausmauer.


Qi Gong Dantian-Atmung

Schöne Aussichten mit dem Shaolin-Training.


Frage 5

Wie reagieren eigentlich Tiere auf Qi Gong?

- Gabi

Tiere sind viel Feinfühliger für Energie als die meisten Menschen.

Sehr häufig wurde mir schon berichtet, dass die Haustiere meiner Schüler die gute Energie während der Qi Gong-Praxis sehr genießen.

Gerade Katzen, die einem sonst vielleicht den ganzen Tag aus dem Weg gehen, schmiegen sich plötzlich an, wenn sie merken welch gute Energie da gerade generiert wird.

Daniel erzählte mal, dass seine kleinen Kätzchen nach seinem Training innerer Kraft statt schlafen zu gehen lieber doch noch eine Stunde herumzutoben.

Nur in Einzelfällen habe ich bisher gehört, dass Tiere sich durch unserer Praxis gestört fühlen. Eine Vermutung ist, dass ihnen die Veränderung in ihrem Revier zunächst nicht gefällt, bis sie sich daran gewöhnt haben. Auch der kräftige Ausstoß von abgestandener Energie bzw. Blockaden und Giftstoffen, wie sie gerade zu Beginn der Qi Gong-Ausbildung auftreten können, könnte eventuell unangenehm auf sie wirken.

Wenn man sich dadurch gestört fühlt, sperrt man Haustiere am besten aus dem Übungsraum aus. Stört es einen nicht, kann man sie natürlich ebenfalls genießen lassen.

 

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