Fragen und Antworten
Ausgabe 2019-09



Spiel des Vogels

„Nightguard Tests Sea“ aus den 18 Lohan Künsten


Frage 1

Ist überliefert, wie die „18 Lohan Künste“ in den Süden [von China] gekommen sind?

- Valerie

Nein, weil sie dort wohl eher nicht praktiziert wurden.

Die 18 Lohan Künste wurden entwickelt, um das Kampfkunsttraining der Shaolin-Mönche zu fördern. Einige Übungen dienen dem Aufbau innerer Kraft, andere der Anwendung dieser Kraft und weitere der Entwicklung von Gleichgewicht und Beweglichkeit.

In den südlichen Kung Fu-Stilen wurde hauptsächlich Zhan Zhuang, also das Standtraining praktiziert. Auch ist das „Force-Training“ in einige wichtigen Kung Fu-Sets integriert, wie man in den Formen des bekannten Hung Gar Kung Fu gut erkennen kann.

Im Norden wurde das Qi separat trainiert. Darum wurden die „18 Lohan Hände“ angepasst, um das Kampfkunsttraining generell zu unterstützen oder spezifische Fähigkeiten zu erlangen, wie beispielsweise die Adlerklaue.

Auch wenn unsere Schule direkt von den südlichen Shaolin-Tempeln abstammt, sind wir froh in Shaolin Wahnam dennoch die seltenen Übungen der „18 Lohan Künste“ üben zu können. Sie bieten auch reinen Qi Gong-Praktizierenden einige der Nutzen, die sonst nur den Kampfkünstlern vorbehalten wären.


Frage 2

Was machst du, wenn dich während dem Chi Flow jemand anspricht?

- Melanie

Am besten ist es natürlich vorher schon Vorkehrungen treffen, um möglichst ungestört üben zu können. Im Park suchst du dir am besten einen zurückgezogenen Platz. Zuhause gibst du deinen Mitbewohnern vorher Bescheid, dass du jetzt in Ruhe üben möchtest.

Sollte es dennoch mal passieren, dass du während dem Chi Flow oder jeglicher Meditation angesprochen wirst, mach einfach die Augen auf, gib eine kurze Antwort, um die Situation zu klären, und mach einfach weiter. Oft reicht ein „Komme gleich!“ aus.

Zumeist wird der Chi Flow anschließend einfach weitergehen, sobald du wieder in Zen, bzw. im Qi Gong-Geisteszustand, bist. Wenn nötig, mache noch ein paar Wiederholungen von „Himmel anheben“ oder „Sonne und Mond heben“, um wieder in Schwung zu kommen.

Natürlich ist es angenehmer und einfacher, ungestört üben zu können. Da wir aber ohnehin nur mit etwa 30% der möglichen Intensität üben sollen, macht es nichts, wenn wir uns nicht vollkommen versenken können. Wie ich herausgefunden habe, kann ich auch dann effektiv Qi Gong üben, wenn mein kleiner Sohn singend im Kreis um mich herumläuft.

Sollte dich eine Störung erschrecken, vergewissere dich, dass alles in Ordnung ist, und versichere es dir mit einem sanften Gedanken. Danach geh in den Chi Flow, um den Schock gleich wieder auszuleiten.


Chi Flow

Buddha-Statuen im Kek Lok Si-Tempel, Malaysia.


Frage 3

Ich habe eine Frage zum Buddhismus.

Ein paar der Grundsätze sind es ja, dass alles im Leben Leiden ist und dass man schließlich jegliches Verlangen ablegen soll.

Bedeutet das auch, dass man auch die Liebe aufgeben muss?

- Aleksandra

Als Menschen haben wir ein relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen Glück und Leiden. Dadurch haben wir im Vergleich zu höheren und niedereren Wesen bessere Voraussetzungen für die spirituelle Kultivierung. Wilde Tiere leben ständig in Angst und können sich nicht um ihren seelischen Fortschritt kümmern. Wesen in den Himmeln sind so von Freude und Glückseligkeit eingenommen, dass sie eher diesen anhaften, als die Befreiung ihrer Seele anzustreben.

Die erste der „Vier edlen Wahrheiten“ besagt, dass das Leben leidvoll und unvollkommen ist. Was Buddha damit meinte, ist, dass die wiederkehrenden Leben im Kreis der Wiedergeburt vergleichsweise leidvoll ist mit dem Eingehen der Seele ins Nirwana. In der zweiten edlen Wahrheit lehrte Buddha die Ursachen für Leiden. Die dritte erläutert, dass durch das Beseitigen der Ursachen das Leiden verschwindet. Die vierte edle Wahrheit beschreibt den „achtfachen Pfad“ zum Auslöschen des Leidens und dem Erlangen der Erleuchtung.

Der Buddhismus, besonders in der Strömung des Mahayana, zu welcher auch der im Shaolin-Kloster begründete Chan- oder Zen-Buddhismus gehört, ist von Mitgefühl und Liebe geprägt. In der Welt, in der wir uns bewegen, in Samsara, dem Rad der Wiedergeburten, sind diese von großer Bedeutung und Wichtigkeit.

In der letzten Stufe der Kultivierung gilt es jedoch die Einheit allen Daseins nicht nur zu verstehen, sondern diese kosmische Wirklichkeit auch zu realisieren. Wenn es keine Abgrenzung gibt, keine eigenständigen Wesen und Seelen, dann gibt es auch nichts und niemanden mehr zu lieben. Durchdringt man diesen Schleier, die Illusion der Abgrenzung, erlangt man die Erleuchtung. Wie manchmal falsch verstanden wird, wird die Seele nicht eins mit dem Universum. Vielmehr erkennt und realisiert man, dass sie es immer schon war.

Der Grund warum manche edlen Wesen anstatt Buddhaschaft zu erlangen und ins Nirwana überzugehen, stattdessen zum Boddhisattva wurden, ist weil ihre Liebe, ihr Mitgefühl für andere Wesen, sie noch in Samsara halten und sie diese auf ihrem Weg unterstützen möchten. So hat unsere Schutzpatronin, Kuan Yin, den Eid abgelegt, erst dann vollständige Erleuchtung zu erlangen, wenn alle Seelen im Universum befreit sind.


Frage 4

Soll man auch Qi Gong üben, wenn man gerade krank ist?

- Gaby

Besonders dann!

Viele unserer Schülerinnen und Schüler haben berichtet, dass sie durch ihre Qi Gong-Praxis rasche Linderung erfahren haben und schneller wieder gesund wurden.

Also auch, wenn man sich vielleicht ein wenig überwinden muss etwas zu tun, wenn man gerade geschwächt ist, sollte man passende, reinigende Übungen machen und den Chi Flow genießen.

Vergiss nicht, dass es die erste und wichtigste Aufgabe der Qi Gong-Praxis ist, bestehende Blockaden aufzulösen und den harmonischen Energiefluss wiederherzustellen. So kann sich der Körper selbst besser regenerieren und besser gegen äußere Einflüsse wehren.


Qi Gong-Gruppe Wu Ji

Den „Wu Ji“-Stand verwenden wir als Ausgangsstellung und für die Standmeditation.


Frage 5

Warum ist der Wu Ji-Stand nicht in unserem Standtraining dabei?

- Thomas

Der „Wu Ji-Stand“ ist ohnehin in jeder Trainings-Session enthalten, weil wir die abschließende Standmeditation ja darin ausführen. „Wu Ji“ heißt übersetzt „kein Ultimatives“, was sinngemäß je nach Kultur so viel bedeutet wie „die Leere“, „die Stille“, „die kosmische Wirklichkeit“ oder auch „Gott, der Heilige Geist“.

Für das Training innerer Kraft in der Kampfkunst ist Wu Ji sozusagen der schwächste Stand. Der Reiterstand ist im Gegensatz dazu der stärkste.

Für die spirituelle Kultivierung ist „Wu Ji“ der erster, einfachste aber auch höchster der Stände. Nicht zu Unrecht soll die Tai Chi Chuan-Praxis von „Wu Ji zu Tai Ji und dann von Tai Ji zurückkehren zu Wu Ji“.

Im praktischen Sinne bedeutete das, dass wir zunächst in Wu Ji in die Stille eintreten, bevor wir dann in die Bewegung gehen. Danach kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Im übertragenen, philosophischen Sinne, entspringt unsere Seele der großen Leere, dem Universum oder Gott. „Tai Ji“ repräsentiert den manifesten Kosmos, im Buddhistischen auch „Samsara“ genannt, in dem wir uns momentan befinden. Die Kampfkunstpraxis soll schlussendlich dazu führen, dass wir unsere Seele wieder von der Abgrenzung „befreien“ und wieder Eins mit allem, also „Wu Ji“ werden.

 

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