Fragen und Antworten
Ausgabe 2019-05



Shaolin Kung Fu

Wir zählen auch Shaolin Kung Fu zu den inneren Kampfkünsten.


Frage 1

Wie viele Kung Fu-Stile gibt es eigentlich?

- Elena

Wie weit kannst du zählen?

Es gibt unzählige Stile und Sub-Stile in den chinesischen Kampfkünsten. Schon allein, weil viele Familien ihren eigenen Familienstil pflegten, der oft nur an Familienmitglieder weitergegeben wurde.

Grob kann man zum Beispiel nach äußeren und inneren Kampfkünsten kategorisieren. Die bekanntesten inneren Stile sind Tai Chi Chuan (Taijiquan), Baguazhang und Xingyiquan. Wing Chun Kung Fu wird zumeist extern betrieben, wobei es von seiner ausgefeilten Körpermechanik profitiert. Nur wenige Schulen verfügen auch über die internen Komponenten und trainieren innere Kraft. Shaolin Kung Fu wird ebenfalls zumeist als externen Stil angesehen und auch so trainiert. Höchstes Shaolin Kung Fu sehen wir jedoch als tiefgängigsten und zugleich vielfältigsten aller Stile an. Das liegt wohl auch daran, dass die inneren Aspekte – wenn überhaupt – er sehr spät in der Ausbildung gelehrt werden. In unserer Schule steigen wir gleich zu Beginn in die inneren Künste ein und betreiben dreifache Kultivierung von Jing, Chi und Shen (Körper, Energie und Geist).

Eine andere, geografische Einteilung ist nach Norden und Süden. Verallgemeinernd gibt es die bekannte Phrase „südliche Fäuste und nördliche Kicks“. Der ursprüngliche Shaolin-Tempel liegt im Norden Chinas, in der Provinz Henan. Das Kloster gilt als die Wiege der Kampfkunst. Später wurde in der südlichen Provinz Fujian ein zweiter Shaolin-Tempel erbaut, zu dem die Wurzeln unserer Schule zurückreichen. Während das nördliche Shaolin Kung Fu wunderbar ist, verstehen wir das südliche Shaolin Kung Fu als eine natürliche Weiterentwicklung. Viele der Techniken und Anwendungen sind komplexer und zugleich wirkungsvoller. Auch die Methoden zum Training innerer Kraft sind vielfältiger und kraftvoller.

Während der Stil eine gewisse Richtung und Prägung vorgibt, liegt der wichtigste Anteil aber sicherlich am jeweiligen Meister und dessen Fähigkeiten in der eigenen Praxis sowie im Unterrichten.


Frage 2

Warum sind die weit geöffneten Augen bei der Qi Gong-Übung „Schlagen mit großen Augen“ so wichtig?

- Eva

Ohne den „großen Augen“ würde die Übung ja nur schließlich nur „Schlagen“ heißen! Das ist aber natürlich nicht der Grund dafür.

Die Augen sind das Öffnungsorgan der Leber. Somit spiegelt sich in den Augen nicht nur die Seele, sondern auch der (energetische) Zustand der Leber bzw. des Leberkreislaufs. Die Leber ist nach der Traditionellen Chinesischen Medizin auch für Wut, Frust und Ärger zuständig.

Nicht umsonst heißt es also „blind vor Wut“. Bei Alkoholikern und Cholerikern kann man zumeist trübe, gelbliche oder rötliche Augen beobachten. Bei friedvollen, glücklichen und gesunden Menschen kann man wiederum das Funkeln in den Augen erkennen, mit dem sich meine Schülerinnen und Schüler am Ende des Trainings von mir verabschieden.

Durch die weit geöffneten Augen bei der Qi Gong-Übung wird der Energiefluss im Leberkreislauf zusätzlich unterstützt. Zum Abbau von Grant und Frust gibt es kaum eine bessere Übung als „Schlagen mit großen Augen“.


Qi Gong Schlagen mit großen Augen

„Schlagen mit großen Augen“ aus den „18 Lohan Händen“


Frage 3

Vor kurzem haben alte Verletzungen, von denen ich schon lange nichts mehr gespürt habe, wieder hin und wieder zu schmerzen begonnen. Wie kann das sein?

- Lydia

Der Körper hat wunderbare Selbstheilungskräfte, um sich nach Verletzungen wiederherzustellen. Jedoch ist er dabei oft nicht ganz gründlich und sagt nach etwa 70-80 % des Heilungsprozesses, dass das nun gut genug ist.

Rein physisch fühlt sich alles auch wieder okay an und bei Röntgenbildern wird man keinen Schaden mehr erkennen.

Dennoch ist es ein häufiges Phänomen, dass Menschen an den betroffenen Stellen plötzlich
wetterfühlig werden. Der Grund dafür ist, dass auf energetischer Ebene weiterhin eine ungeklärte Blockade zurückgeblieben ist und das Qi nicht optimal fließen kann.

Qi Gong gibt sich mit bloß 70-80% Heilungsgrad nicht zufrieden und macht sich daran die energetische Blockade ebenfalls zu beseitigen und den Energiefluss wieder vollständig herzustellen, bis kein Staubkorn mehr übrig ist. Das kann mitunter dazu führen, dass man während dieses Reinigungsprozesses wieder leichte Beschwerden zurückkehren. Dies ist aber nur temporär und wird von uns als „gute Schmerzen“ betrachtet, weil während ihrem Auftreten etwas Gutes passiert, nämlich die vollständige Klärung dieses alten Traumas. Ein willkommenes, kleines Übel auf dem Weg zu ganzheitlicher Genesung also.


Frage 4

Warum wird bei vielen Übungen im Shaolin-QiGong nur zur linken Seite die Übung ausgeführt (d.h. zu Beginn der Übung wird der linke Fuß zur linken Seite rausgesetzt und nach der Übung wird der linke Fuß wieder herangesetzt), während bei den Shaolin-QiGong-Formen zu beiden Seiten die Übungen ausgeführt werden?

- Brigitte

Ich bin mir nicht sicher, wie es zu dieser Konvention gekommen ist.

Im nördlichen Shaolin Kung Fu ist es üblich nach links zu starten. Also, wenn man zu Beginn Richtung Norden schaut, setzt man den linken Fuß nach links raus, dreht sich nach Westen und marschiert dann mit den Techniken des Sets in Richtung Westen weiter.

Ob sich der eröffnende Schritt nach links zuerst im Shaolin Kung Fu oder im Shaolin Qi Gong etabliert hat, weiß ich leider nicht.

In unserem Stil, dem Shaolin Cosmos Qi Gong, gibt es diese Konvention übrigens nicht. Wir steigen üblicherweise zuerst die halbe Standbreite nach rechts und dann die volle Standbreite nach links. Dadurch ist unser Mittelpunkt im Stand dann derselbe wie beim aufrechten Stehen zu Beginn. Das Chi kann sich so an „unserem“ Übungsplatz, an dem wir zu Beginn in die Meditation eintreten, sammeln.

Im südlichen Shaolin Kung Fu ist dies ebenfalls üblich. Beim Wing Chun Kung Fu gilt das gleiche Konzept, wobei man hier mit dem linken Fuß beginnt und dann erst nach rechts steigt.

Beim „Pfeile schießen“ im Qi Gong steigen wir einmal mit einem großen Schritt nach rechts direkt in den Reiterstand und „schießen“ nach links. Anschließend steigen wir nach links und schießen nach rechts. Wir wechseln also auch die Schrittfolge ab, wobei es egal ist, ob wir nach rechts oder links beginnen.

Viel wichtiger ist jedoch die Erkenntnis, dass diese kleinen technischen Details zwar sicherlich begründet sind, aber eine eher geringe Auswirkung am Gesamteffekt haben. Aspekte wie Entspannung, die innere Haltung und ein klarer Geist sind sehr viel wichtiger.


Qi Gong Übung Drei Ebenen zur Erde

Auch wenn es anfangs überrascht, ist„Drei Ebenen zur Erde“ eine wunderbare Übung zum Entspannen und Krafttanken.


Frage 5

Seit ein paar Wochen mache ich Fitnesstraining und bin hinterher ganz ausgepowert.

Qi Gong hilft mir mich schnell wieder zu regenerieren. Ist es okay, es so einzusetzen?

- Jürgen

Aus Sicht der TCM ist übermäßiges „Auspowern“ nicht empfehlenswert, weil es die Organe unnötig belastet und viel Energie dabei verbraucht wird. Solange du dein Training bzw. deinen Sport aber genießt, ist es okay.

Schließlich hast du ja unser kraftvolles Qi Gong zur Hand und kannst dich über ein Drittel der üblichen Regenerationszeit freuen.

Achte nur darauf es nicht zu missbrauchen, also zum Beispiel eine Stunde Workout, Qi Gong, wieder eine Stunde Workout, wieder Qi Gong… das würde nach Ärger schreien.

Auch bei stärkerer Belastung, bleiben wir bei unseren 1-2 Mal täglich 10 Minuten.

 

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