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Weitere Kung Fu-Tiere


Die fünf Tiere des Shaolin Kung Fu
Teil 3


Shaolin Five-Animal Combination Set

Der Affen-Stil ist einer der bekanntesten
und vor allem tickreichsten Tierstile.


Der Affe

Der Affe ist immer für eine Überraschung gut und spielt gerne seine zahlreichen Tricks aus. Auch ist er aufgrund seiner Agilität oft schwer in die Finger zu kriegen. Er zeichnet sich durch Blödeleien, Neugier und Keckheit aus. Traue niemals einem Affen! Er stiehlt gerne „Pfirsiche“.

Ein weiteres Merkmal des Affen ist innere Kraft, die es ihm ermöglicht entspannt und grazil, jedoch gleichzeitig kraftvoll, zu sein.

Sifus Meister, Sigung Ho Fatt Nam, war ein Affen-Spezialist. Sifu lernte nur ein paar charakteristische Techniken und Anwendungen von ihm. Später entwickelte er aus diesen Techniken und einem anderen Set das „Shaolin Monkey Set“ unserer Schule, das sämtliche wichtigen Eigenschaften des Affen-Kung Fu enthält. Während der Affenstil eher für kleine, quirlige Praktizierende geeignet ist, sind auch ein paar Gorilla-Techniken für große und starke Kämpfer mit dabei.

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Die Gottesanbeterin

Auch die Gottesanbeterin (Praying Mantis) steht für Agilität, hämmert gerne ihre „zermalmende Faust“ auf den Kopf des Gegners, hakt sich mit der „Mantis-Handform“ am Hals ein, während das Standbein weggezogen wird oder tritt zeitgleicht mit einem Schlag mit dem typischen „Seven-Star-Step“ gegen den gegnerischen Fuß oder das Schienbein.

Der Stil der Gottesanbeterin wurde vom Shaolin-Schüler Wang Lang entwickelt und hat sowohl im Norden als auch Süden Chinas eigene Stilrichtungen („Tang Lang“) hervorgebracht. Besonders hervorzuheben ist Wang Langs „Praying Mantis 18 Collection“. Für diese sammelte er die besten Kung Fu-Techniken seiner Zeit aus 18 verschiedenen Stilen.

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Der Adler

Der Adler zeichnet sich durch einen sehr kräftigen Griff aus, der häufig als Vorbereitung für einen entscheidenden Schlag dient. Der auch Gott des Krieges, der Rechtschaffenheit oder der Kampfkünste genannte Yue Fei bildete seine Soldaten im von ihm entwickelten Eagle Claw Kung Fu aus.

Der Stil ist in 50 Kampfsequenzen für verschiedenste Situationen im Kampf kristallisiert und macht häufig Gebrauch von Halte- und Hebeltechniken, die den Gegner für einen letzten, entscheidenden Schlag immobilisieren sollen.


Artenvielfalt im Xingyiquan

Yue Feis Generäle wiederum wurden in seine Kunst des Xingyiquan eingeweiht. Diese innere Kampfkunst verfügt gar über 12 Tierformen. Die Charakteristiken dieser Tiere sind jedoch nicht so ausgeprägt, ganzheitlich und intern wie die klassischen fünf Shaolin-Tiere. Vielmehr beschreiben die Tierformen des Xingyiquan eher äußere, lokalisierte Ausdrücke:


Drache

zusammenziehen & expandieren

Tiger

Mut

Affe

Agilität

Pferd

Geschwindigkeit

Alligator

gleiten

Gockel

kampflustig

Falke

aufsteigen

Schwalbe

streichen

Schlange

rutschen

Strauß

rammen

Adler

greifen

Bär

Stabilität


Während es bei den Tier-Spirits im Shaolin Kung Fu mehr auf die innere Essenz ankommt als die äußere Erscheinung, sind die Tierstile im Xingyi äußerlich klar erkennbar. Wann immer im Alltag gleiten notwendig ist, wird man dies dank dem Xingyiquan-Training besser können. Der Effekt ist aber nicht so umfassend wie mit dem Tiger-Spirit des Shaolin Kung Fu innere Kraft zu entwickeln, mit der man jegliche Tätigkeit des Lebens besser durchführen kann.


Der Elefant

Nach dem größten Landtier ist ein eher unbekannter Stil mit „Elephant Fist“ benannt, bei dem die Arme ähnlich dem Elefantenrüssel geschwungen werden.

In manchen Stilen findet sich eine Elefantenfaust wieder. Während bei der Auge-des-Phönix-Faust der Zeigefinger aus der Faust hervorragt, um Vitalpunkte exakt zu treffen, ist es bei der Elefantenfaust der Mittelfinger.

Den „Elephant-Step“ verwenden wir beispielsweise, wenn der Gegner nach einem Tritt unseren Fuß festhält, wie in der siebten Kampfsequenz unseres Taijiquan.

Die Pattern „Old Elephant Drops Tusk“, die beispielsweise im „Taming the Tiger Set“ vorkommt, vereint Angriff und Verteidigung anhand der Taktik „Defence-cum-Counter“.


Old Elephant Drops Tusk

Old Elephant Drops Tusk erinnert gut erkennbar an Stoßzähne


Weitere Vierbeiner in den chinesischen Künsten

Ein weiteres, tierisches Fünfergespann ist das „Spiel der fünf Tiere“ im Qi Gong, welches unabhängig von den fünf Tieren des Shaolin Kung Fu ist. Diese freud- und wirkungsvolle Kunst von Hua Tuo, dem „Gott der Medizin“, besteht aus Vogel, Tiger, Bär, Affe und Hirsch. Mehr über das „Five-Animal Play“ und dessen Effekte, insbesondere beim Auflösen von aufgestauten Emotionen, findest du hier.

In der Geschichte der chinesischen Kampfkünste gab es immer wieder noch andere Tierstile, die aber keine große Verbreitung fanden. Unter den jüngeren Entwicklungen finden sich beispielsweise auch der Hund und das etwas ulkig anmutende Enten-Kung Fu, wobei die Ente mit der Pattern „Precious Duck Swims through the Lotus“ auch einen Stammplatz in unserem Shaolin Kung Fu-Repertoire hat.


Green Frog Crouching on Ground

Precious Duck Swims through the Lotus erinnert an eine schwimmende Ente


In modernen Wushu-Darbietungen werden gerne weitere Tierformen wie Skorpion, Schildkröte und Frosch präsentiert. Diese haben aber, abgesehen von Akrobatik und Beweglichkeit, keine signifikante innere Komponente und haben sich als traditionelle Stile zumindest nicht durchgesetzt. Dennoch gibt es jeweils auch etwas klassischen Bezug auf die erwähnten Tiere.

In der Kunst „Fünf-Gifte-Hand“ sollen sich Praktizierende unter anderem von Skorpionen in die Hand stechen lassen, um dort Gift anzusammeln, das den Gegner bei Berührung vergiften soll. Ob es wirklich je Meister gab, die diese sonderbare und gesundheitsgefährdende Methode angewandt und den hochwertigen inneren Künsten vorgezogen haben, sei jedoch dahingestellt.

Die Schildkröten-Atmung ist eine bewährte Atemtechnik im Qi Gong, um Langlebigkeit zu erlangen. Eine Trainingsmethode für innere Kraft in Shaolin Wahnam, bei der wir uns sozusagen in Super-Zeitlupe bewegen, wird „Black Tortoise Method“ genannt.

Und eine Bodentechnik des Shaolin Kung Fu ist mit „Green Frog Crouching on Ground“ benannt.


Green Frog Crouching on Ground

In Froschhaltung kann man den Gegner gut am Boden fixieren.


Der König der Tiere konnte zwar keinen eigenen Stil ergattern, macht sich aber immerhin zum Beispiel in den Patterns „Spiritual Lion Opens Mouth“, „Lion Rolls Ball“ und „Warrior Plays with Lion“ bemerkbar. Auch ist der traditionelle, chinesische Löwentanz eng mit der Kung Fu-Kultur verbunden. Der Löwentanz ist übrigens eine von vielen Spezialitäten unseres Großmeisters, in welchem er mehrere Champions trainierte.

Pandas sind im klassischen Kung Fu aber leider nicht enthalten. Hierzu dürfen wir uns einer Neuerung der Filmbranche erfreuen.


Autor: Sifu Leonard Lackinger

 

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Links:

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18 Features of Praying Mantis Kung Fu
Questions to Grandmaster Wong on Xingyiquan


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Die Ausübung der angebotenen Shaolin-Künste ersetzen weder Arzt noch psychologische Betreuung, können jedoch jede medizinische Therapie begleiten und unterstützen.