Fragen und Antworten
Ausgabe 2018-13



Authentisches Shaolin Qi Gong

Authentisches Qi Gong sieht äußerlich fast so aus wie Gymnastik-Qi Gong. Die Effekte und Nutzen sind aber sehr unterschiedlich.


Frage 1

Es gibt in Ihrer Beschreibung des Qi Gong auf Ihrer Homepage einen Passus in dem Sie schreiben:

„Die meisten Praktizierenden anderer Schulen beschränken die Ausübung auf die äußere Form und betreiben so eigentlich nur sanfte Gymnastik. ...“

Ich trainiere seit einem halben Jahr nahezu täglich 45 Minuten eines anderen Qi Gong und das Praktizieren hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert. Ich hätte gerne gewusst, was das Spezielle Ihres „authentischen Qi Gongs“ ist und woran man erkennen kann, dass das Fließen des Qi fehlt.

- Daniela

Der wichtigste Faktor, um festzustellen, ob eine Kunst authentisch ist, ist zu überprüfen, ob dessen Praxis zu den Nutzen verhilft, die sie bringen sollte.

Authentisches Qi Gong ist ein System zur Förderung ganzheitlicher Gesundheit und Vitalität. Es entwickelt einen klaren Geist, ermöglicht Spitzenleistungen und kann der spirituellen Kultivierung dienen.

Gehen die Nutzen eines Qi Gong-Stils nicht darüber hinaus, dass man sich hinterher kurzfristig ein wenig entspannter fühlt oder dass Gelenke und Muskeln gelockert und gestreckt werden, entspricht dies den Nutzen gewöhnlicher, körperlicher Gymnastikübungen.

Ist man nach dem Üben gar erschöpft und ermüdet, wie es in manchen Schulen vorkommt, entfernt man sich mit jedem Mal Üben weiter weg von den eigentlichen Nutzen von Qi Gong.

Nur wenige Schulen bieten authentisches, also wirkungsvolles, Qi Gong an. Nur einige unter diesen praktizieren auf einem hohen Niveau, bringen also großen Nutzen mit wenig Aufwand.

In Shaolin Wahnam praktizieren wir lediglich 1-2 Mal täglich für 10 Minuten, mit herausragenden Resultaten. Jenen Resultaten, die in den klassischen Überlieferungen früherer Qi Gong-Meister beschrieben wurden.

Ein deutliches, direktes Indiz für guten Energiefluss ist, was wir „Chi Flow“ nennen. Damit bezeichnen wir spontane Bewegungen, die sich aufgrund des innerlich kraftvoll angeregten Energieflusses nach außen manifestieren. Dies ist jedoch nicht annähernd begreiflich zu beschreiben, sondern muss aus erster Hand erlernt und erfahren werden.


Frage 2

Wenn Gesundheit und Vitalität am wichtigsten sind, warum sollte man im Kampfkunsttraining überhaupt Chi in den Händen fokussieren, so wie zum Beispiel beim „Wasser heben“ im Tai Chi Chuan?

- Daniel

Nachdem wir „Wasser heben“ praktizieren, gehen wir immer in den Chi Flow. Dabei wird die Energie, die wir generiert haben, im ganzen Körper verteilt und wird dorthin fließen, wo sie benötigt wird, zum Beispiel zu den inneren Organen. Sagen wir, etwa 80 Prozent gehen in den allgemeinen Energiefluss über und 20 Prozent verbleiben in den Händen, was immer noch genug ist, um den Zuwachs innerer Kraft darin zu spüren.

Je nachdem, wie sehr der Körper die Energie für die Erhaltung des Lebens benötigt, wird dieses Verhältnis variieren. Generell sollten Kampfkünstler ohnehin bereits gesund sein, bevor sie überhaupt mit dem Training beginnen oder zuerst Qi Gong praktizieren. Somit ist die Gefahr, dass die in den Händen gespeicherte Energie in den Organen fehlen könnte, gering.

In anderen Schulen, die effektiv praktizieren, wird es eher vorkommen, dass die Energie zu 80, 90 oder gar 100 Prozent in den Händen bleibt, weil sie keinen Chi Flow, also freien Energiefluss, ausüben. Dies hat, besonders in der Vergangenheit, immer wieder dazu geführt, dass Meister zwar herausragende Kämpfer wurden, ihre Gesundheit und/oder ihre Emotionslage aber auf der Strecke blieben.

Bei sehr Fortgeschrittenen und Meistern in unserer Schule, kann es ebenfalls vorkommen, dass die generierte Energie fast zur Gänze in den Händen bleibt oder durch den nachfolgenden Chi Flow sogar noch verstärkt wird. Dies ist jedoch ein spontaner, unwillkürlicher Effekt, der auftritt, wenn der Körper im Moment nicht mehr Energie benötigt. Es ist also ein großer Unterschied dazu das Chi willentlich dort zu fokussieren bzw. festzuhalten.

Praktizierende der „Cosmos Palm“ gelten gemeinhin als besonders vital, gesund und kraftvoll. Ihr spezifisches Training verleiht ihnen sehr viel innere Kraft, die nicht nur ihre Schläge sehr stark macht, sondern auch ihr gesamtes Energiesystem.


Taijiquan Wasser heben

„Wasser heben“ aus dem Tai Chi Chuan


Frage 3

Warum verwenden wir im Pushing Hands beim Stoßen von der Seite zuerst einen „False-Leg-Stance“, bevor wir zur Seite raussteigen?

- Mic

Der False-Leg-Stance ermöglicht uns optimale Vorteile im Gegensatz dazu, wenn wir einfach nur mit dem hinteren Bein einen halben Schritt nach vorne gehen und das Gewicht auf beiden Füßen haben.

Die Distanz ist genau richtig, also nah genug, um bedrohlich zu sein, aber weit genug weg, um sicher zu sein.

Dadurch, dass unser Gewicht zu 95% auf dem hinteren Bein ruht, kann uns der Gegner auch nicht einfach aus dem Gleichgewicht bringen ohne zuerst zu uns aufzurücken. Würden wir das Gewicht mehr nach vorne bringen, wie es beim häufigen Fehler einen T-Step zu machen (also die Füße direkt nebeneinander zu stellen), der Fall ist, würde dem Gegner ein kleiner Stoß mit der Schulter reichen, um uns umzuwerfen oder zumindest aus dem Konzept zu bringen.

Das Vorrücken in den False-Leg-Stance ist somit ideal, um die Arme des Gegners unter Kontrolle zu bringen, während man den großen Ausfallschritt zur Seite vorbereitet. Jedes Detail ist also gut durchdacht.


Frage 4

Wenn wir das Chi wieder im Dantian fokussieren, reicht es wirklich einfach kurz daran zu denken? Brauchen wir dazu nicht auch die Hände oder den Atem?

- Sabrina

In anderen Qi Gong-Schulen werden die Hände am Ende der Übungseinheit zumeist auf den Unterbauch aufgelegt. Häufig einfach übereinander, teilweise in bestimmten Handhaltungen oder mit bestimmten Massagebewegungen. Diese Haltung wird dann oft einige Zeit beibehalten, manchmal der Atem bewusst tief gehalten.

In Shaolin Wahnam nutzen wir einfach nur unseren Geist. Generell hat die äußere Form keine so hohe Bedeutung in unserer Ausübung, wie in anderen Schulen üblich. Auf der Geistesebene zu praktizieren ist die höchste Form von Qi Gong. Somit sehen wir unserer Methode, also einfach 1-2 Mal sanft an die Region des Dantians zu denken, als hochwertiger an.

In unserer Standmeditation, die dem Chi Flow folgt, ist es außerdem nicht unser Ziel, das Chi im Dantian festzuhalten. Vielmehr lassen wir die Energie, die im Chi Flow frei und teilweise wild durch den Körper gewirbelt ist, weiterzirkulieren, sich neu verteilen und wieder neu ausrichten. Erst am Ende der Standmeditation denken wir erneut 1-2 Mal kurz und sanft an unser Dantian und schließen dann mit den Gesichtsmassagen ab. Sich lange und intensiv auf das Dantian zu fokussieren, könnte auch negative Effekte mit sich bringen. Selbst wenn noch so viel Energie dort gesammelt ist, nützt sie wenig, wenn sie dort eingesperrt und nicht in Fluss ist.

Die Hände legen wir nur dann länger auf dem Dantian auf, wenn wir Übungen wie „Abdominal Breathing“ oder das „kleine Universum“ praktizieren.


Qi Gong Dantian-Atmung

Nur bei der Technik „Dantian Breathing“ legen wir die Hände auf unseren Unterbauch. Ansonsten genügt ein sanfter Gedanke, um das Chi wieder „nachhause“ zu bringen.


Frage 5

Ich habe auf einmal bemerkt, dass ich mir Zahlen besser merken kann.

Das ist ganz unbewusst und schleichend passiert.

- Alexandra

Offenbar hat sich durch deine Qi Gong-Praxis eine mentale Blockade gelöst.

Es könnte vielleicht ein prägendes Ereignis in der Kindheit gegeben haben. Also, dass du aufgrund einer Aussage eines Erwachsenen dachtest, nicht gut mit Zahlen umgehen zu können. Darauf hast du dich selbst in dieser Annahme bestärkt.

Der gute Energiefluss durch die Qi Gong-Praxis, hat diese Blockade nun gelöst und du kannst deine wahren Fähigkeiten einsetzen, während dein Geist zusätzlich immer klarer und stärker wird.

Der Bequemlichkeit halber unterteilen wir in vier Arten von Blockaden.

  • Physische Blockaden, wie Schmerzen, Verspannungen und organische Beschwerden
  • Emotionale Blockaden, wie aufgestauter Frust, Angst und Nervosität.
  • Mentale Blockaden, wie Konzentrationsschwierigkeiten und unheilsame Denkmuster.
  • Spirituelle Blockaden, wie Depressionen, Unsicherheit und Glücklosigkeit.


Bei der Qi Gong-Praxis denken wir aber nicht darüber nach woran das Chi nun gerade arbeitet. Während des Chi Flows kümmert sich der freie Energiefluss um die drastischsten Blockaden zuerst. Wie unsere Schüler ständig berichten, konnten sie in all diesen Kategorien tolle Fortschritte machen und verschiedenste Leiden überwinden.

 

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