Fragen und Antworten
Ausgabe 2018-10



Wu Ji Stand

Jede Praxis beginnt mit dem „Wu Ji“-Stand, dem „unendlich ultimativen“-Stand.


Frage 1

Warum stehen wir in Wu Ji mit den Füßen eng beieinander?

- Andi

Die Grundstellung „Wu Ji“ wird in den meisten Schulen etwa schulterweit oder hüftbreit ausgeführt. In Shaolin Wahnam stehen wir mit den Füßen nahe beieinander, lassen also nur einen kleinen Spalt dazwischen.

Was anfangs für manche eine etwas ungewohnte Haltung ist, hat einen entscheidenden Vorteil. Je näher die Füße nämlich beieinander stehen, desto förderlicher ist es für den spontanen, freien Energiefluss, also den Chi Flow.

Je breiter man steht, desto stabiler und solider ist man. Das machen wir uns beim Standtraining, besonders beim Reiterstand zunutze.

Für dynamische Qi Gong-Übungen, wie „Himmel anheben“ oder „Sterne pflücken“, wählen wir jedoch einen engen Stand, da es hier ja das Ziel ist die Energie so gut wie möglich fließen zu lassen. Der Chi Flow kann sich dann besonders gut entfalten.

Bei Fortgeschrittenen mag der Unterschied nicht mehr so groß sein. Sie könnten selbst im Reiterstand spontane Chi-Bewegungen auslösen, wenn es sinnvoll wäre. Dennoch ist es in Wu Ji mit den Füßen nahe zusammen, effektiver und einfacher in den Chi Flow zu gelangen und diesen sich entfalten zu lassen.


Frage 2

Welche Länge sollte der Langstock für den „Ho Family Flowing Water Staff“ haben?

- Chris

Generell verhilft das Training mit dem Langstock dazu, dass man jeden Ast oder Besen, den man sich im Ernstfall greift, verwenden kann. In echten Gefahrensituationen hat man keine Wahl und muss mit dem auskommen, was einem zur Verfügung steht.

Wenn man es sich nun aber aussuchen kann, empfiehlt sich für unser Langstock-Set bei 180 cm Körpergröße ein Stock mit ca. 190-200 cm. Er sollte aus stabilem Hartholz sein, nicht zu dünn und nicht zu leicht. Im Idealfall wird er zur Spitze hin etwas schlanker.

Beim „Fifth Brother Octagonal Staff“, einer anderen der vier legendären Stockformen des Shaolin Kung Fu, kommt zumeist ein längerer, zulaufender Stock von etwa 240 cm zum Einsatz. Die enthaltenen Techniken können aber ebenso mit einem kürzeren Stock angewandt werden.


Kung Fu-Waffe Langstock

Der Langstock gilt als die Lieblingswaffe der Shaolin-Mönche.


Frage 3

Ich hatte eigentlich nie den Eindruck, dass ich tief in die Meditation eintreten würde und dass ich noch viel tiefer könnte, wenn ich wollte. Die Gesamtintensität einer Übung hängt meiner Meinung mit Force, Flow, Dauer und meditativer Tiefe zusammen, wobei Force und Flow von der meditativen Tiefe und der Art und Dauer wie man den Chi Flow generiert zusammenhängt.

Welche Rolle spielen Dauer und Intensität der einzelnen Teile der Qigong Praxis (Herumgehen, Eintritt in die Meditation, Technik/Chi Flow generieren, Chi Flow, Standmeditation, Gesichts- und Punktmassagen, und wieder Herumgehen) in Bezug auf mehr üben als für Körper und Geist gerade gut wäre?

- Bernhard

Das einleitende Gehen und der Eintritt in die Stille, bzw. den Qi Gong-Geisteszustand, dienen der Vorbereitung. Hält man diese kurz, sinkt die Intensität der gesamten Session etwas ab.

Die Technik oder Übung bringt den Energiefluss in Schwung. Je weniger Wiederholungen man ausführt, desto wenige Energiefluss wird generiert. Ebenso, wenn man während dem Üben den Geist nicht so tief versenkt.

Der Chi Flow ist die Essenz der gesamten Qi Gong-Praxis. Demzufolge bringen ein kurzer Chi Flow ebenso wie abschweifende Gedanken auch weniger starke Effekte.

In der Standmeditation geben wir der Energie die Möglichkeit sich wieder zu beruhigen und zu konsolidieren. Vor allem wird auch der Geist trainiert, welcher der überwiegende Faktor für die Intensität der Praxis ist. Eine kurze Standmeditation kann das Gesamtresultat senken.

Die abschließenden Massagen dienen mehr dem Übergang und helfen uns dabei uns wieder zu fokussieren und ins Hier und Jetzt zu bringen. Die Auswirkung auf die Gesamtintensität ist vergleichsweise eher gering.

Das Gehen danach hilft, die Energie wieder gut im Körper zu verteilen. Einen ausgedehnteren Spaziergang daraus zu machen kann dabei hilfreich sein die Energie gut zu integrieren und in Fluss zu halten.

In einem Ranking würde ich folgendermaßen von großem zu niedrigerem Einfluss auf die Gesamtintensität anordnen: Eintritt in den Qi Gong-Geisteszustand – Chi Flow – die Übung – Standmeditation – Gehen und Massagen

Dies kann je nach Übung und Praktizierendem aber variieren.

Die Anpassung der Intensität erfolgt jeweils über die Dauer und/oder die Tiefe.

Ein interessanter Aspekt in unserer Schule ist, dass wir nicht nach höchster Intensität streben (sollen). Ein gutes Beispiel hierfür sind die Sehnenmetamorphosen. Auch wenn wir mit 12 Wiederholungen oder gar den klassischen 49 Stück ein stärkeres Resultat erlangen würden, ziehen wir es vor nur 3 Wiederholungen zu machen. Das Ergebnis ist dann zwar „schwächer“, aber dennoch „besser“ für uns.


Frage 4

Wenn ich, während ich die Technik ausführe, kurz denke "Flow", welchen Einfluss hat das auf die Intensität der gesamten Praxis?

Kann zu viel denken von z.B.: „Ich lasse los. Ich werfe alle Gedanken raus. Ich genieße den Chi Flow.“, die Intensität erhöhen? Ich hatte nämlich den leichten Verdacht ja.

- Bernhard

Mit einem sanften Gedanken, was anderorts häufig Visualisierung genannt wird, können wir Einfluss auf das Resultat nehmen.

Sich vermehrt auf die für authentisches Energie-Training notwendigen und intensivierenden Faktoren wie Loslassen, den Geist zu zähmen und zu genießen zu fokussieren (was im Übrigen den 3 goldenen Regeln von „keine Sorgen machen“, „nicht intellektualisieren“ und „genieße die Praxis“ entspricht), steigert demnach logischerweise die Auswirkung.

Diese sanften Gedanken wenden wir aber eher selten an und auch nur, wenn wir darin unterwiesen wurden. Anfänger sollten dies nicht tun.


Qi Flow

Auch wenn wir im Chi Flow unwillkürliche Bewegungen zulassen, so haben wir doch stets alles unter Kontrolle.


Frage 5

Kann man eigentlich auch unabsichtlich Chi Flow haben?

- Alexandra

Mit „Chi Flow“ beschreiben wir unbeabsichtigte, spontane, unwillkürliche Bewegungen, die durch den kraftvollen inneren Energiefluss manifestiert werden. Somit ist die Antwort ja.

Wichtig ist dabei aber zu erwähnen, dass dies nicht unkontrollierbar ist. Wann immer wir damit aufhören möchten, zum Beispiel wenn die Zeit gekommen ist oder wenn uns irgendetwas unangenehm sein sollte, können wir dies jederzeit willentlich tun.

Viele unserer Schüler bemerken nach einiger Zeit der Praxis, dass es immer leichter fällt die spontanen Chi-Bewegungen auszulösen. So beginnen viele schon in der anfänglichen Entspannungsphase, wenn wir in den Qi Gong-Geisteszustand, die Meditation, eintreten sanft zu schwingen.

So, kann es auch kommen, dass man gerade bei der Straßenbahnhaltestelle wartet und dabei in Schwingung gerät. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Supermarkt auf meine Jause gewartet habe und zum ersten Mal ohne mein Zutun sanft vor mich hin geschunkelt bin.

Der gute Energiefluss, den wir durch die Qi Gong-Praxis entwickeln, ist nicht nur während der Praxis vorhanden. Genau das ist ja schließlich auch das Ziel. Wenn nun auch im Alltag alle Voraussetzungen für Chi Flow vorhanden, wir also entspannt sind, kann dieser auch von ganz allein eintreten. Der Situation entsprechend können wir dies dann einfach ein wenig zulassen oder unterbinden, wenn es unpassend wäre.

 

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