Fragen und Antworten
Ausgabe 2018-09



Qi Gong Himmel anheben

„Himmel anheben“ ist für Anfänger wie Meister eine der besten Übungen überhaupt.


Frage 1

Du erwähnst immer wieder, dass „Himmel anheben“ die beste Übung schlechthin ist. Warum ist das so?

- Petra

„Himmel anheben“ ist mit gutem Grund die erste Übung aus den 18 Lohan Händen. In den Shaolin-Künsten kommt das Beste oft gleich zu Beginn, was von vielen leider übersehen oder als zu wenig fortgeschritten abgetan wird.

Das Wirkungsspektrum von „Lifting the Sky“ ist für blutige Anfänger, die damit den Chi Flow erlernen, bis hin zu Meistern, die die Übung zur spiritueller Ausweitung nutzen, geeignet. Im Basiskurs unseres Shaolin Qi Gong, „Generating Energy Flow“, bietet die Technik, ebenso wie in unseren Einsteigerstunden, den idealen Einstieg für Anfänger. So gut wie jede Person kann die Übung erlernen. Wer nicht gut stehen kann, kann sich an eine Wand oder einen Baum anlehnen. Wenn es gar nicht anders geht, kann man anfangs im Sitzen üben und sich bald wieder aufrichten.

„Himmel anheben“ ist sehr einfach zu erlernen und bringt vielerlei Nutzen mit sich. Entscheidend ist dabei natürlich, dass die Technik nicht bloß als sanfte Gymnastikübung praktiziert wird, sondern als authentisches Qi Gong. Nur, wenn der Energiefluss wirklich angeregt wird, kann man darauf hoffen, dass sich diese Erfolge einstellen können.

Das „Himmel anheben“ aktiviert alle 12 Hauptmeridiane und daraus folgend alle anderen Meridiane und Organe, insbesondere den Dreifachen Erwärmer. Es kann das Immunsystem stärken und die drei Energieebenen (oben, Mitte, unten) harmonisieren.

Die Übung ist besonders gut geeignet, um eine gute aufrechte Haltung zu entwickeln. Nicht umsonst sagt man in China, dass man „so alt ist wie sein Rücken“.

Viele unserer Schüler haben die Übung schon erfolgreich als Erste Hilfe-Übung bei kleineren Verletzungen eingesetzt. Wann immer man sich wo anstößt, leicht verbrennt oder einen Insektenstich abbekommt, sollte man so rasch wie möglich den Himmel anheben und einen Chi Flow genießen. Auch bei bestehenden Verletzungen ist die Übung sehr empfehlenswert.

Die Übung ist sehr hilfreich beim Entwickeln eines klaren Geistes und fördert das Selbstvertrauen. Zudem kann sie hilfreich sein gegen Stress, Allergien, Tinnitus, Hämorrhoiden und Inkontinenz.

Außerdem hilft das „Himmel anheben“ bei der Anpassung an veränderte Umstände, wie ein Wetterumschwung oder gegen Jet Lag. Gegen Letzteres empfiehlt es sich direkt vor und nach einem Langstreckenflug eine kurze Qi Gong-Session durchzuführen.

Und nicht zuletzt gibt es auch eine angepasste Variante im Liegen, die wunderbar beim Einschlafen helfen kann.


Frage 2

Warum konnte ich hier in der Probestunde den Chi Flow auslösen und in den anderen Schulen, in denen ich vorher war, nicht?

- Edi

Die meisten Schulen unterscheiden nicht zwischen Techniken und Fähigkeiten.

Der Großteil der Qi Gong-Praktizierenden wiederholt lediglich die äußere Form der Techniken, in der Hoffnung, dass sich durch langjährige Praxis dadurch die gewünschten Effekte einstellen. In Shaolin Wahnam ist uns jedoch bewusst, dass es ein gewisses Geschick benötigt, um effektiv üben zu können.

Häufig legen andere Lehrer großen Wert darauf, dass die Bewegungen möglichst exakt ausgeführt werden, führen ihre Schüler aber nicht in die – eigentlich bedeutsameren – inneren Komponenten ein. Zum Teil, weil sie diese selbst nicht beherrschen und keine Tiefe in der eigenen Praxis erlangt habe. Teils, weil sie Geheimnisse für sich behalten oder Schüler erst viel später darin einweihen wollen.

In Shaolin Wahnam gehen wir großzügig mit den sogenannten Geheimnissen um und führen unsere Schüler schnurstracks in die wichtigen Elemente der Praxis ein. Qi Gong ist die „Kunst der Energie“. Darum lehren wir unseren Schülern von der ersten Stunde an, wie sie den idealen körperlichen und geistigen Zustand einnehmen, um ihre Energie fließen lassen zu können. Rasch führt das dann zu einem kraftvollen, inneren Energiefluss, der sich in äußeren, spontanen Bewegungen manifestiert.

Wir legen also Wert darauf, die nötigen, unsichtbaren Fähigkeiten zu vermitteln, also sich zu entspannen, den Geist frei von Gedanken zu halten und so die Energie fließen zu lassen. Einerseits gelingt dies durch unsere ausgefeilte Lehrmethodik und anderseits durch die Herz zu Herz-Übertragung.


Sonne und Mond heben

Chi Flow ist in Shaolin Wahnam allgegenwärtig.


Frage 3

Ich bin frustriert, weil ich das Chi immer nur an einzelnen Stellen spüren kann. Auch, wenn wir das Chi über unsere Haut fließen lassen, merke ich das immer nur teilweise.

- Andrea

Das ist vollkommen normal. Nach und nach steigern sich unsere Fähigkeiten. Einerseits jene, um die Energie auf der Haut fließen lassen zu können, andererseits jene, um die Energie wahrzunehmen.

Bedenkt man, dass die meisten Qi Gong-Praktizierenden ihr Chi überhaupt nicht aktivieren und daher auch nicht spüren können, ist jegliche, kleine Chi-Empfindung schon eine tolle Leistung.

Wir üben Qi Gong nicht, weil es so schön kribbelt, sondern um gesund zu sein, die Vitalität und Leistungskraft zu steigen, ein langes Leben sowie spirituelle Freuden zu ermöglichen.

Energiewahrnehmungen sind angenehme Nebeneffekte, die zwar ein guter Indikator für gute Praxis sind, aber vielmehr sollten wir die positiven Effekte auf unser Leben zur Beurteilung unseres Erfolgs heranziehen.


Frage 4

Wozu machen wir die Abschlussübungen, also die Gesichts- und Punktmassage und die himmlische Trommel?

- Kathi

Der Hauptgrund für die abschließenden Massagen ist, dass wir einen sanften Übergang aus der Transzendenz, also der Meditation, zurück in den Alltag haben und nicht sprunghaft aus der Stille rausgerissen werden. Ähnlich wie beim Aufstehen am Morgen waschen wir zuerst unser Gesicht und wecken uns wieder auf.

Die Gesichtspunktmassage hilft uns außerdem unseren Geist zu fokussieren und dient auch als Beauty-Übung. Sie verleiht uns rosige Wangen, funkelnde Augen und wirkt gut gegen Falten.

Die himmlische Trommel soll den „Staub und Rost“ im Kopf abschlagen. In westlicher Ausdrucksweise entspricht dies dem Klären abgestorbener Gehirnzellen. Somit erlangen wir durch die Übung einen klaren Geist. Wenn man lange Zeit konzentriert arbeiten muss, empfiehlt sich die Übung auch hin und wieder zwischendurch, um sich wieder besser fokussieren zu können.

Die Punktmassage und die himmlische Trommel sind übrigens die 7. und 8. der Shaolin Augenübungen, welche die Sehkraft verbessern und Augenleiden lindern können.

Wie ein letztes Jahr veröffentlichtes Video außerdem schön veranschaulicht, ist die himmlische Trommel auch sehr wirkungsvoll bei Tinnitus und anderen Gehörproblemen.

 


Frage 5

Wenn man immer gute Gedanken hat, kann man dann auch Energie erzeugen?

- Elena

Je nachdem mit wem man darüber spricht, wird die Antwort anders ausfallen.

In der normalen Physik wäre die Antwort nein. Laut dem Energieerhaltungssatz kann Energie nie verloren gehen oder aus dem Nichts entstehen. Energie wird immer umgewandelt.

In der Quantenphysik, in der vielerlei Prinzipien der regulären Physik ihre Bedeutung verlieren, gibt es durchaus auch die Annahme, dass Energie einfach so entstehen kann.

Das ist eine Interessante Parallele zu spirituellen Betrachtungsweisen. In Samsara, der Welt der Erscheinungen, in der wir uns derzeit befinden, gelten andere Prinzipien und Wahrnehmungen als in der kosmischen Wirklichkeit.

Während in Samsara Raum, Zeit, Differenzierung und Abgrenzung bestehen, sind diese Faktoren in der kosmischen Wirklichkeit alle „leer“, also nicht existent. Im Universum ist alles miteinander verbunden. Es gibt kein Du und Ich, keine Gut und keine Böse. Alles „ist“ einfach.

Wenn wir die Frage nun nach diesen beiden Betrachtungsweisen beantworten, wäre die Antwort in unserer hiesigen Weltanschauung je nach Art der Physik ja oder nein. In der kosmischen Dimension wäre sie nein, weil ohnehin immer alles da ist und somit nichts entstehen und verloren gehen kann.

 

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