Fragen und Antworten
Ausgabe 2018-03



Qi Gong-Übung

Qi Gong ist eine sehr effektive Methode, um aufgestaute Gefühle zu lösen.


Frage 1

Wie kann man unterscheiden, ob hochkommende Emotionen eine Reinigungserscheinung oder aktuell sind?

- Johannes

Wenn sich alte, aufgestaute Emotionen lösen, manifestieren sie sich manchmal noch einmal, während sie auf dem Weg nach draußen sind. Auch wenn dies nicht immer angenehm ist, so ist es doch ein wichtiger Schritt bei der Reinigung und wir befreien uns von einer unnötigen Last.

Mit wachsender Erfahrung kann man die Unterscheidung zwischen aktuellen und alten Gefühlen zunehmend besser treffen.

Eine hilfreiche Frage, die man sich bei Unschlüssigkeit stellen kann ist:

Gibt es einen aktuellen Grund oder Auslöser weshalb du dich ärgerst bzw. traurig bist?

Wenn ja, ist die Antwort naheliegend.

Dennoch kann es natürlich sein, dass man während einer Reinigungsphase etwas sensibler ist und sich die alten Emotionen mit aktuellen mischen.

Wenn einem bewusst ist, dass man sich gerade in einer Reinigungsphase befindet, sollte man sich nicht in die aufkommenden Emotionen reinsteigern, sondern sie vielmehr einfach ziehen lassen. Auch sollte man wichtige Entscheidungen dann lieber zweimal überdenken oder gar warten bis sich die Gemütslage wieder normalisiert hat.

Menschen, die kein Qi Gong praktizieren, erleben, dass sie in manchen Situationen überreagieren. Das liegt daran, dass beispielsweise zusätzlich zu ihrem aktuell ausgelösten Ärger auch all die aufgestaute Wut, die sie in sich tragen, durchbricht.

Bei Cholerikern, denen schon kleinste Gründe genügen, um einen Wutanfall loszutreten, ist das Chi in der Leber blockiert, welche für Wut und Ärger zuständig ist. Das kann durch frühere Emotionen oder auch durch ein organisches Problem (zum Beispiel durch übermäßigen Alkoholkonsum) oder einer Blockade im Lebermeridian begründet sein.

Qi Gong ist ein wundervolles Mittel, um sich alten emotionalen Ballasts zu entledigen. Nach und nach lassen wir frühere Erlebnisse und Traumata los, während das Chi Schicht für Schicht davon abträgt.

Dabei ist es aber wichtig nicht zu glauben, dass wir keine Gefühle mehr zulassen sollten. Ganz im Gegenteil. Es ist vollkommen normal und gut Gefühle zuzulassen. Schließlich sind wir Menschen. Wenn wir Gefühle von vornherein rauslassen, haften sie nicht an uns an, sondern fließen einfach durch.

So gelingt es uns immer besser Gefühle rasch wieder loszulassen und wieder zu unserer normalen Fröhlichkeit zurückzukehren, anstatt tagelang grantig zu sein und uns das Leben vermiesen zu lassen, wie wir es vielleicht früher getan hätten.

Genauso machen es auch Kinder, die in einem Moment wütend herumschreien, mal bitterlich weinen und im nächsten Moment wieder strahlend lachend herumtanzen. Als Erwachsener sind die Ausschläge nicht mehr ganz so heftig, aber hier können wir durchaus von den Kleinen lernen.


Frage 2

Kann man Qi Gong und Standtraining in einer Einheit üben?

- Jürgen

Nach unserer Definition tut man das ohnehin immer. Das bedeutet, für uns ist Standtraining Qi Gong, also Energie-Training. Deine Frage bezieht sich aber sicherlich auf dynamische Qi Gong-Übungen und stilles Qi Gong, das wir auch Zhan Zhuang nennen.

Auf physisch, mechanischer Ebne kann man beide Übungsarten jederzeit kombinieren. Führt man das Standtraining aber als Energiearbeit aus, dann nicht. Vielmehr verkörpert Zhan Zhuang eine vollwertige Qi Gong-Übungseinheit. Dadurch üben wir üblicherweise entweder Standtraining oder Dao Yin, also dynamische Übungen.

Es mag für einmal okay sein und auch für dreimal. Auf Dauer kann das zu lange und zu intensive Üben aber zu Übertraining führen, das wir vermeiden möchten.

Eine Ausnahme stellt eine Kampfkunsttrainingseinheit dar. Diese sind mit 30-60 Minuten deutlich länger als die 10-15 Minuten Qi Gong. Sie sind aber viel bewegter, während Qi Gong vergleichsweise statisch ist. Dadurch ist die Natur des Trainings anders. Das Chi fließt stärker und verteilt sich somit besser.


Taijiquan Partner-Training

Im Tai Chi Chuan ist alles im Fluss.


Frage 3

Warum ist es so, dass ich beim Tai Chi Chuan-Üben keine Knieschmerzen habe, aber beim Aufstehen nach längerem Sitzen schon?

- Vinko

Je nach Anschauung kann man dies unterschiedlich erklären. Im Westen spricht man davon, dass Bewegung die Durchblutung gefördert wird. In der traditionellen Chinesischen Medizin führt sie dazu, dass die Energie in Fluss gebracht wird. Das Chi leitet und das Blut folgt.

Bei langem Sitzen kann Stagnation auftreten, das Chi wird also daran gehindert harmonisch zu weiterzufließen. Darum sollte man darauf achten, auch während der Büroarbeit eine gute Haltung zu bewahren und möglichst entspannt zu sitzen. Auch sollte man die Position immer wieder mal wechseln.

Das Gemeine an schlechten Haltungen ist häufig, dass wir diese erst realisieren, wenn wir sie verlassen. Jeder kennt das. Wenn man längere Zeit in der Hocke verbringt, ist das währenddessen meist kein Problem. Erst beim Aufstehen bemerkt man, welcher Belastung man seine Gebeine ausgesetzt hat.

In unserem Training lernen wir uns auf entspannte Weise zu bewegen und in Ruhe zu verweilen. Außerdem kann uns der Chi Flow dabei helfen verschobene Gelenke einzurichten, was es uns einfacher macht entspannt und beschwerdefrei zu sitzen. Auch die Achtsamkeit auf unserer Körperhaltung wird geschärft. Um alte, schlampige Muster zu durchbrechen. Ich selbst drücke zum Beispiel immer wieder mal auf „Reset“, wenn ich merke, dass ich am Computer schlecht positioniert bin.


Frage 4

Sind verunsichert sein, Eifersucht, Neid, Zweifel, Ungeduld, Perfektionismus und schnell irritiert sein Nieren-Themen?

- Bernhard

Verunsicherung, Zweifel und Irritation hängen mit den Nieren zusammen. Die Verunsicherung kann auch durch eine starke Gallenblase, welche Mut hervorbringt, in Griff bekommen werden.

Eifersucht und Neid würde ich am ehesten noch dem Herzen zuordnen. Wer rundum glücklich ist, beneidet niemand anders.

Die anderen, Ungeduld und Perfektionismus, würde ich keinem speziellen Organ zuordnen. Sie sind eher allgemeine Charakterzüge. Aber natürlich können auch diese Eigenschaften durch unser Training abgeschwächt bzw. in Balance gebracht werden.


Kuan Yin Statue Penang

Kuan Yin-Statue im Kek Lok Si-Tempel auf Penang, Malaysia.


Frage 5

Gutes führt ja zu Gutem. Darum sehe ich Gutes tun als wichtig an, um gesund zu werden.

Dabei fällt mir allerdings ein, dass ich mich mit dem Begriff Mitgefühl in der Vergangenheit schwer tat. Ist Mitgefühl dasselbe wie Gutmütigkeit?

Welchen Stellenwert hat Mitgefühl bei uns in Qigong, Shaolin Kung Fu und Taijiquan, auch da Guan Yin eine Schutzpatronin unserer Schule ist?

- Bernhard

Mitgefühl und Gutmütigkeit sind zwei eigenständige Begrifflichkeiten, auch wenn sie durchaus in Verbindung miteinander stehen. Mitgefühl ist die Fähigkeit die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu verstehen und denen entsprechend zu handeln.

Gutmütigkeit bedeutet eher, dass man sich andern gegenüber nicht ärgert, auch wenn sie auf unerwünschte Weise handeln. Geduld ist sehr eng damit verbunden.

In unseren Kampfkünsten zeigen wir Mitgefühl mit unseren Gegnern, indem wir stets das geringste Mittel nutzen, um sie zu überwältigen. Besonders geschätzte, hohe Fähigkeiten hierzu sind Dim Mak und Chin-Na, deren Effekte zwar überwältigend, aber reversibel, sind.

Wenn wir in unserem Qi Gong unseren Segen verschicken, handeln wir mitfühlend.

Kuan Yin dient uns als herausragendes Vorbild was Mitgefühl mit anderen betrifft.

 

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