Fragen und Antworten
Ausgabe 2018-02



Qi Gong-Übung

Im Shaolin Qi Gong entsteht Fitness durch Gesundheit, nicht umgekehrt, wie es im Westen erhofft wird.


Frage 1

Ist es eigentlich nötig zusätzlich zu Qi Gong auch Sport zu betreiben, um was für sich zu tun und fit zu sein?

- Sabine

Aus TCM-Perspektive ist Fitness-Training nicht nötig, ab einem gewissen Grad der Gesundheit sogar abträglich.

Es ist wichtig zwischen Gesundheit und Fitness zu unterscheiden. Für wahre Ausdauer und Kraft dient eine gute Gesundheit als Basis.

Man kann aber auch fit sein und Spitzenleistungen vollbringen ohne vollständig gesund zu sein, was Spitzenathleten, die die meiste Zeit Schmerzen verspüren, leider unter Beweis stellen. Auch Ausdauersportler, die aufgrund ihres konditioniert niedrigen Ruhepulses einschlafen, sobald sie nicht in Bewegung sind, sind keine Seltenheit. Bodybuilder sind emotional oft unausgewogen (die Leber ist neben ihrer Verbindung zum Muskelsystem auch für den Umgang mit der Emotion des Ärgers zuständig) und abseits des Trainings fehlt es ihnen an Energie, da sie diese in ihren Muskeln festhalten.

Dies alles sind deutliche Zeichen von Disharmonien, welche in der TCM als Ursache jeglicher Erkrankung gelten.

Es ist eigentlich ein verheerender Irrglaube, dass der westliche Fitness-Wahn gleichzeitig auch zu vermitteln versucht, dass Fitness-Training automatisch auch zu Gesundheit führt. Leider hat das oberflächliche Äußere für viele Menschen einen höheren Stellenwert als gute Abwehrkräfte. Das Gefühl „ausgepowert“ zu sein, wird als Bestätigung, dass man etwas geleistet hat, verstanden und allzu häufig der inneren Ausgeglichenheit vorgezogen.

Qi Gong verhilft uns zu der Körperfigur, die gut für uns ist, auch wenn dies vielleicht nicht jene ist, die man aufgrund des eigenen Schönheitsideals gerne hätte. Das soll nicht bedeuten, dass alle, die Qi Gong betreiben, übergewichtig werden, aber es erinnert mich an das, was meine Großeltern „eine g’sunde Figur“ genannt hätten.

Dank unserer hochwertigen Qi Gong-Praxis können wir uns Sport glücklicherweise „leisten“. Wir entwickeln Kraft und Ausdauer besser. Auch die Regenerationsphasen sind kürzer und effektiver. Bei Verletzungen können wir von einer bis zu dreimal schnelleren Genesungszeit profitieren.

Besonders, wenn wir zu viel Energie verspüren, können wir diese sinnvoll nutzen und durch Freude an Sport und Spaß abbauen.


Frage 2

Bei der Übung „das Wasser heben“ steigen bei mir die Hände von alleine sehr hoch. [Anm.: sogar über den Kopf hinaus.]

- Isabella

Die meisten Tai Chi-Lehrer würden dich ausbessern, weil du die Form nicht wie im Lehrbuch, also mit Anheben der Hände auf Schulterniveau, ausführst.

Die Lehrer in Shaolin Wahnam erkennen aber, dass die Bewegung von fortgeschrittenen Schülern vom Chi gelenkt wird. Gerade „Wasser heben“ ist dafür prädestiniert, dass die generierte innere Kraft die Arme ganz leicht werden lässt und dass der starke Energiefluss die Bewegung übernimmt.

Das kann durchaus dazu führen, dass die Bewegung „aus der Reihe tanzt“. Für uns ist dies kein Fehler, sondern ganz im Gegenteil eine große Errungenschaft, die als Indikator für guten Fortschritt dient.

Dass die meisten Lehrer dieses Phänomen nicht erkennen oder bei sich selbst beobachten können, ist leider ein Indiz dafür, wie selten authentisches Tai Chi Chuan geworden ist.


Kung Fu-Kick

„Wasser heben“ aus dem Tai Chi Chuan


Frage 3

Was macht Orte mit schlechter Energie zu solchen Orten, wie zB: Toiletten und Friedhöfe?

Was ist schlecht an dieser Energie?

- Bernhard

Die Toilette ist ein Ort an den „Verbrauchtes“ gehört. Deckel und Tür des WC sollten immer geschlossen sein. Damit entfällt auch endlich die ewige Streiterei, ob die Klobrille runter oder rauf soll.

Friedhöfe repräsentieren den Tod und sind extrem Yin, also der Gegensatz zu lebendig, vital und bewegt was wir suchen.

Generell ist auch nichts Schlechtes an diesen Orten. Käfer, Würmer und Fliegen fühlen sich dort wunderbar wohl. Für uns Menschen ist die dort vorherrschende Energie einfach nicht geeignet. Im Idealfall sollte man auch nicht allzu nah bei einem Friedhof, Krankenhaus oder dergleichen wohnen.


Frage 4

In meiner früheren Schule durften wir während des Standtrainings von etwa 30 Minuten nichts trinken.

Hat das einen energetischen Grund?

- Verena

Rund um das Standtraining haben verschiedene Schulen unterschiedliche Philosophien.

Manche meinen eine vorzeitige Unterbrechung, oder auch nur eine kleine Bewegung während der sonst stillen Übung, würde den Effekt des Trainings zunichtemachen und man müsse von vorne beginnen. In Shaolin Wahnam wissen wir, dass spontane Chi-Bewegungen wie Vibrationen in den Händen, ein Indikator für richtiges und effektives Training sind, auch wenn die Übung eigentlich ruhend ist. Hierbei berufen wir uns auf die klassische Überlieferung „extreme Stille erzeugt Bewegung“.

Auch was die Dauer anbelangt wird häufig die Dauer der Qualität vorgezogen. In Shaolin Wahnam folgen wir den Grundsätzen „weniger ist mehr“ und „Qualität vor Quantität“. Während in anderen Schulen von Anfang an oft eine hohe Minimumzeit vorgegeben wird, steigern wir die Dauer des Trainings in kleinen Schritten. Bei der „goldenen Brücke“ halten wir schließlich 5 Minuten und beim „3-Kreise-Stand“ 10 Minuten für völlig ausreichend.

Nun zum Kern deiner Frage.

Traditionell gesehen, sollte man das Training in keiner Weise unterbrechen, um zum Beispiel zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Schließlich hat man die Chance von seinem Meister zu lernen, die man voll und ganz nutzen sollte.

In den meisten Fällen ist es nicht wirklich notwendig während eines Trainings von ein bis eineinhalb Stunden zu trinken, insbesondere wenn das Chi gut fließt.

Heutzutage toleriere ich während meiner Stunden zu trinken, speziell im Hochsommer. Dennoch weise ich darauf hin, dass es besser ist die Wasserflasche nicht im Trainingsraum stehen zu lassen. Da unser Energietraining sehr effektiv ist und reichlich „Altlasten“, bzw. Blockaden, abgebaut werden, kann es im Raum durchaus auch mal etwas stickig werden bis alles beim Fenster rausgezogen ist. Da Wasser ein sehr guter Informationsspeicher ist, kann es mitunter auch unerwünschte „Ladungen“ aufnehmen. Auch wenn in den meisten Fällen, kein negativer Effekt zu erwarten ist, sollte man es einfach nicht drauf ankommen lassen und zum Trinken – nach ordentlichem Abgrüßen – den Raum kurz verlassen.

Beim Essen ziehe ich jedoch eine Grenze. Ich bin überzeugt, dass man während eines Trainings auch ohne Schnitzelsemmel oder Schokoriegel auskommen kann.


Qi Gong-Übung Double Dragon

Der „Double Dragon“ aus den 18 Juwelen ist wunderbar, um starken Chi Flow auszulösen.


Frage 5

Manche Qi Gong-Übungen wirken bei mir stärker, andere nicht so stark. Wenn ich nun Übungen in einer Einheit kombiniere, welche sollte ich zuerst machen?

- Jürgen

Wenn man mit „stark“ meint, dass die spontanen Chi-Bewegungen im Chi Flow äußerlich heftiger sind, dann empfiehlt es sich die „stärkeren“ Übungen eher am Schluss des Praxisteils zu machen.

„Double Dragon“ aus den 18 Juwelen ist ideal, um Körper und Energie in starke Schwingung zu versetzen und Momentum aufzubauen. Somit ist sie perfekt dafür geeignet, um gleich anschließend in den Chi Flow zu gehen. Diesen nun extra wieder zu zähmen und abzustoppen, um eine weitere Übung machen zu können, ist weder notwendig, noch ratsam.

Bei Übungen, bei denen wir einen breiten Stand haben, wie beim „Ringelspiel“ oder dem „tanzenden Kranich“, springen wir zum Abschluss leicht hoch, um wieder in unsere Grundhaltung, Wu Ji, mit den Füßen nahe beieinander zu kommen. Darauf folgt meist sofort ein guter Chi Flow. Daher würde ich auch diese Übungen eher ganz zum Schluss machen.

Besser wären daher beispielweise folgende Kombinationen:
„Himmel anheben“, „Wasser teilen“, „Double Dragon“
„Kopf drehen“, „Mond tragen“, „Tanzender Kranich“

Generell praktizieren wir oft nur eine einzige Übung, da man auf diese Weise meist am tiefsten in die Meditation eindringen kann. Kombinationen von bis zu drei Übungen sind aber ebenfalls eine tolle und abwechslungsreiche Variante.

 

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