Fragen und Antworten
Ausgabe 2017-3



Qi Gong Übung - Spiel der fünf Tiere

Die spontanen Bewegungen des Spiel der fünf Tiere
lassen sich auf verschiedene Organe zurückführen.


Frage 1

Ich bemerke, dass die spontanen Bewegungen im Chi Flow immer wieder gewissen Mustern folgen, wenn ich aktuell bestimmte Beschwerden haben.

Wenn ich zum Beispiel gerade mit dem Darm Probleme habe, kreist meine Hüfte. Wenn ich zu viel gelernt habe, bewegen sich eher mein Kopf und Nacken.

Ist das bei anderen Schülern auch so?

- Elena

Was du beschreibst ist durchaus häufig und zu erwarten. Gesundheitliche Beschwerde sind in der TCM stets durch eine Blockade im Energiesystem begründet. Im Chi Flow lassen wir die Energie unbeeinflusst dorthin fließen wo sie benötigt wird. Dies führt dazu, dass das Chi an der betroffenen Stelle arbeitet, was wiederum Bewegungen in der jeweiligen Region hervorbringt. Solange ein bestimmtes Problem anhält, werden die Chi-Bewegungen sich auch immer ein wenig ähneln bzw. gewissen Mustern folgen.

Dies führte bereits im zweiten Jahrhundert n. Chr. dazu, dass der legendäre Arzt Hua Tou bestimmte Archetypen bestimmen konnte. Der auch als Gott der chinesischen Medizin bezeichnete Arzt ließ die Schüler in Chi-Bewegungen eintreten und konnte zwischen den jeweiligen Leiden und den spontanen Bewegungen Zusammenhänge feststellen.

Sein „Spiel der fünf Tiere“, das auch heute noch Popularität genießt, besteht aus Vogel, Bär, Affe, Hirsch und Tiger. Die einzelnen Tiere sind bestimmten inneren Organen und deren Meridiane zugeordnet. Wenn ein Übender nun spontane „Flügelschläge“ ausführt, ist das Herz involviert. Wie ein Bär zu stapfen ist ein Hinweis auf die Nieren. Affige Bewegungen und Grimassen sind dem Magen zugeordnet. Hirschgeweih (mit den Händen) und Laufen deuten auf die Leber hin. Tigerkrallen und knurrende Geräusche hängen mit der Lunge zusammen.

Wie zumeist im Qi Gong, sind dies jedoch keine absoluten Tatsachen. Häufig kann es zu Überschneidungen kommen, es können Bewegungen auftreten, die keinem der fünf Tiere eindeutig ähneln und auch nicht jeder, dessen Nieren gerade vom Chi massiert werden, muss dabei aufstampfen.

Dennoch ist diese Philosophie rund um das Spiel der fünf Tiere interessant und hilfreich und kann einem geübten Heiler Hinweise auf die innere Verfassung des Übenden geben. Außerdem ist die Praxis eine sehr freudvolle Angelegenheit, die insbesondere im emotionalen Bereich sehr wirkungsvoll ist.


Frage 2

Gibt es eine Kampfanwendung für die „Mirror Hand“ in One Finger Shooting Zen?

- Andrea

Die Frage müsste eigentlich lauten: „Was ist die Anwendung für die ‚Mirror Hand‘?“

Jede Technik im Shaolin Kung Fu hat eine Bedeutung. Alles Unnötige wurde in seiner über 1.500-jährigen Entwicklung bereits ausgefiltert.

„Beauty Looks into the Mirror“ ist eine sehr wichtige Abwehrtechnik.

Im Tai Chi Chuan, wo diese Pattern „Immortal Waves Sleeves genannt wird, ist sie sogar die Abwehrtechnik schlechthin und wird zur Abwehr von hohen und mittleren Attacken eingesetzt. Bereits in den ersten Stunden erlernen wir diese Technik als Bestandteil von „Grasping Sparrow‘s Tail“.

Ursprünglich auch in unseren Kampfsequenzen im Shaolin Kung Fu-Lehrplan verwendet, wurde die Technik dort später durch „Golden Dragon Plays with Water“ ersetzt.

„Immortal Waves Sleeves“ oder „Mirror Hand“ kann auch sehr gut dazu verwendet werden um sich aus Griffen zu befreien. Auf höherem Level kann die Technik sogar eingesetzt werden, um den Ellbogen des Gegners auszurenken.


Mirror Hand

Die Mirror Hand (Spiegelhand) is eine sehr effektive Abwehrtechnik, die in vielen Kung Fu-Stilen verwendet wird.


Frage 3

Macht es einen Unterschied wie weit die Füße beim Qi Gong auseinander stehen?

- Andreas

Ja, da gibt es einen deutlichen Unterschied.

Viele Schulen positionieren ihre Füße im Wu Ji-Stand etwa Schulterbreit auseinander.

In Shaolin Wahnam haben wir unsere Füße nahe beieinander und lassen nur einen kleinen Spalt. Dies hilft uns den Chi Flow, den für uns wichtigsten Aspekt der Qi Gong-Praxis, besser hervorzubringen.

Je enger die Füße stehen, desto förderlicher ist es für den Fluss. Daher wählen wir diesen Stand für Übungen zur Auflösung von Blockaden.

Je weiter die Füße auseinander stehen, desto mehr innere Kraft wird entwickelt. Daher verwenden wir im Shaolin Kung Fu den Reiterstand, um mehr innere Kraft zu sammeln und solider zu werden.

Der Ziegenreitstand liegt sowohl technisch als auch energetisch etwa in der Mitte und wird im Tai Chi Chuan-Training bevorzugt verwendet.


Frage 4

Soweit ich mich erinnere hast du uns Berge schieben immer als Gesundheitsübung beigebracht und nicht als Force-Training. Aber ich kann mich erinnern, dass du gesagt hast später kann man Berge schieben zum Aufbau von innerer Kraft verwenden. Ich denke wer die Fähigkeiten hat kann sich dann beim Üben entscheiden. Im Forum habe ich gelesen, dass manche den Stand wechseln. Ist das auch für mich ok oder soll ich in Wuji bleiben?

- Bernhard

Solange du keinen Grund dafür hast, wie zum Beispiel die Anweisung deines Sifu, solltest du die Übungen einfach so ausführen wie du sie gelernt hast.

Es stimmt, dass wir im Qi Gong-Kurs mehr Fokus auf die gesundheitliche Anwendung von „Berge schieben“ legen. Dass man nach und nach aber auch innere Kraft dabei entwickelt, ist ein natürlicher Fortschritt, der von alleine entsteht. So berichten Teilnehmer am Kurs, dass sie anfangs vielleicht ein leichtes Kribbeln in den Fingern spüren oder die Hände warm werden. Später erzählen sie, dass sich ihre Arme immer mehr mit Energie füllen.

Ja, Fortgeschrittene können den „Modus“ jederzeit von fließen auf verdichten umschalten und so entweder mehr Fokus auf ihre Gesundheit oder auf die Stärkung legen. Auch das ist ein Grund, warum selbst wenn man die gleiche Übung über lange Zeit praktiziert, immer wieder neue (innere) Spielarten verwenden kann, wenn man zusätzliche Fähigkeiten erlangt hat.

Das „Berge schieben“ im Reiterstand wird für das Training der sehr fortgeschrittenen Kung Fu-Fähigkeit der „Cosmos Palm“ oder auch in Iron Wire eingesetzt.


Kuan Yin

Kuan Yin ist eine der Schutzpatrone von Shaolin Wahnam.


Frage 5

Du weißt ja, dass ich die Anwesenheit anderer Wesen spüre. Normalerweise geht alles gut und meistens gehen sie, wenn ich sie begrüße auch schon wieder (weil sie das so überrascht). Manchmal kann ich sie (abends) aber nicht so gut orten und das macht mich dann unsicher, wenn ich spüre da ist was, aber ich weiß nicht genau was und wo. Oder es kommt (besonders bei Sturm) zu viel beim Fenster rein und ich weiß dann nicht, ob ich es zumachen soll oder offenlassen, damit es leichter raus geht…. Hm. 

Falls du irgendeinen Tipp hast, wäre ich dir dankbar. Ist ja jetzt nicht gerade die Frage, die einem Arbeitskollegen beantworten können.

- Maria (Name geändert)

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Andere Wesen sind überall und tun uns normalerweise nichts, bzw. bekommen sie uns genauso wenig mit wie die meisten Menschen sie.

Dein starkes Chi ist außerdem ein guter Schutzpanzer. Die meisten niederen Wesen (Geister stehen in der Rangordnung unter uns), sind nicht kraftvoll genug um Einfluss auf uns zu nehmen.

Wenn dir unwohl ist, kannst du sie einfach pauschal bitten zu gehen.

Wenn das nicht genügt, kannst du Kuan Yin (Boddhisattva des Mitgefühls und unsere Schutzpatronin in Wahnam) zur Hilfe bitten.

Eines ihrer Mantras ist: Namo Kuan Shi Yin Pu Sa, Namo Kuan Shi Yin Pu Sa, Namo Kuan Shi Yin Pu Sa

Danach kannst du sie bitten sich um die Wesen zu kümmern und ihnen Glück wünschen.

Nur in letzter Instanz solltest du ihnen die One-Finger-Zen-Handform vorhalten, die auf Geister sehr bedrohlich wirkt.


Frage 6

Vielen Dank für deine Tipps zu den Wesen. Ich werde mir das Mantra auf einen Zettel schreiben (ich konnte es mir damals in der Stunde nicht merken), damit ich's bei Bedarf bei der Hand habe.

Du hast recht, es hat mir noch nie ein Wesen was getan, eher im Gegenteil.

Trotzdem macht es manchmal einfach Angst oder ist unangenehm.

- Maria (Name geändert)

Vielleicht dient dir die Erklärung als Eselsbrücke:

Namo heißt so viel wie „im Namen von“.
Kuan Shi Yin ist Kuan Yins vollständiger Name. Im Sanskrit war sie unter Avalokiteshvara bekannt.
Pu Sa heißt Bodhisattva. Gemeint sind Erleuchtete, die noch nicht ins Nirvana aufgehen, um anderen Wesen zur Hilfe stehen zu können.

Kuan Yin hat das Nirvana so lange aufgeschoben bis alle Wesen ebenfalls die Erleuchtung erlangt haben. Daher der Beiname „Bodhisattva des Mitgefühls“. Sie ist eine der drei Schutzpatrone von Shaolin Wahnam.

Als Mantra wird es meist 3x aufgesagt.

 

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