Fragen und Antworten
Ausgabe 2016-1



Kung Fu Standtraining

Höchstes Kung Fu kultiviert Körper, Energie und Geist zugleich.
(Foto-Credits zenarts.co.uk)


Frage 1

Wie wichtig ist spirituelle Entwicklung für das Shaolin Kung Fu, bzw. welchen Vorteil erhält man davon?

- Dimitri

 

Im Prinzip wäre spirituelle Entwicklung für Shaolin Kung Fu nicht wichtig und ist in vielen Schulen auch überhaupt nicht enthalten, bzw. wird dort mit zusätzlichen Übungen und Methoden (wie Qi Gong, sitzender Meditation, Gebeten) spirituell kultiviert.

Für Kampfkünstler ist es jedoch stets wichtig hohe Anforderungen an die Moral zu stellen, was wir in Shaolin Wahnam durch die 10 Shaolin-Gesetze sicherstellen. Wer die Künste oder die daraus gewonnenen Fähigkeiten und Kräfte missbraucht, wird sicher bald von seinen Taten eingeholt.

Dass Shaolin Kung Fu selbst, wie in Shaolin Wahnam, ein kraftvolles Mittel zur spirituellen Kultivierung ist, ist sehr selten.

Generell kann man Kampfkünste in drei Klassen einteilen:
- Drittklassige Kampfkünste können nur im Kampf eingesetzt. Das Training wirkt sich oft nachteilig auf die Gesundheit aus.
- Zweitklassige Kampfkünste können im Kampf eingesetzt werden und fördern die Gesundheit.
- Erstklassige Kampfkünste fördern die Kampfeffektivität, fördern die Gesundheit und die spirituelle Entwicklung.

Wir betreiben „dreifache Kultivierung“, das heißt mit jeder Übungseinheit trainieren wir unseren Körper, die Energie und den Geist. Das beinhaltet auch unsere Seele.

Spiritualität kann, muss aber nicht, etwas mit Religion zu tun haben. Die spirituelle Entwicklung unserer Schüler kann man zum Beispiel an den strahlenden Gesichtern beim Verlassen des Kwoon leicht ablesen. Wir öffnen in der Praxis unser Herz und setzen unsere Seele frei.

Wie Sifu so schön sagt: „Mit jedem Chi Flow wird unsere Seele ein kleines Bisschen reiner.“

Eigentlich sollten spirituelle Entwicklung und ein friedvoller Geist für jeden Menschen wichtig sein. Shaolin Kung Fu ist, wenn es entsprechend gelehrt und eingesetzt wird, ein hervorragendes Werkzeug dafür.


Frage 2

Ich wollte dir nur mal kurz ein Feedback zur Umstellung vom "Berge schieben" auf "Wasser teilen / Butterfly dancing in front of Flowers" schreiben.

„Butterfly dancing in front of Flowers " hat bei mir zuhause gar nicht angesprochen. D.h. keine Schwanken, kein Gähnen, keine Tränen, nichts.

Habe die Übung 4 Tage lang probiert, dann gewechselt auf "Wasser teilen".
Diese hat am Anfang etwas (ganz leicht) gewirkt, nach dem 4. Tag plötzlich auch gar nicht mehr.

Ich habe das als Zeichen meines Körpers gesehen, dass er keinen Bedarf mehr hat, dass ihm in eben diesem Wirkungsbereich geholfen wird. Mir geht es auch schon merklich besser verglichen zu vor 4 Monaten. Deswegen würde ich mir das so erklären.

Anscheinend haben 3 Monate "Berge schieben" alles Nötige eingeleitet? Oder hast du eine andere Erklärung hierfür?

Auf jeden Fall ließ ich mich davon nicht entmutigen und habe andere Übungen durchprobiert und habe die mit dem besten Gefühl für mich genommen: Nun mache ich morgens "Sterne pflücken" und abends "Nieren nähren".

Ist das ok so (je eine andere Übung am Tag), oder sollte ich lieber 3 Monate nur „Sterne pflücken“ machen und nach 3 Monaten dann erst "Nieren nähren"?

- Emi


Interessante Beobachtung, wobei die Wahl der Übung meist keine so große Rolle spielt. Je öfter man eine Übung macht, desto besser kann man abschalten. Daher ist es auch gut möglich, dass die beiden Übungen nach längerer Zeit ganz andere Ergebnisse hervorgebracht hätten. Generell ist "Dancing Butterfly" ideal für einen äußerlich starken Chi Flow zum Lösen von Blockaden und "Wasser teilen" für einen oft eher innerlich, kraftvollen.

Ich würde sagen die 3 Monate durchgehender Praxis "haben alles nötige in die Wege geleitet". Berge schieben war ein Mittel zum Zweck und ist gerade für Anfänger eine sehr hilfreiche und einfache Technik für den Einstieg. Entscheidend für den Erfolg waren aber eigentlich wie immer die eingesetzten Fähigkeiten wie der Qi Gong-Geisteszustand und der Chi Flow.

Später wirst du feststellen, dass es egal ist welche Übung du praktizierst und auf Anhieb die Fähigkeiten von einer Technik auf eine andere transferieren kannst.

Wenn du mit "Sterne pflücken" und "Nieren nähren" zufriedenstellende Erfolge erzielst, wunderbar! Du kannst ruhig zwei verschiedene Übungen an einem Tag machen.

Ich freue mich über deinen guten Fortschritt. Weiter so!


Frage 3

Es passiert manchmal, dass diese spontanen Bewegungen oder unerklärte Dränge zu schreien, zu lachen, im Alltag erscheinen. Ist das auch unsere Energie die spricht, nur ganz "ohne Rahmen"?

- Louise


Ja, das kann hin und wieder vorkommen. Die Energie fließt nicht nur während dem Üben stärker als früher und das Herz öffnet sich immer mehr. Das kann (und soll) auch in den Alltag überschwappen. Gut so!


Frage 4

Wie kann man beim Chi Flow den Unterschied erkennen, wirklich wissen, dass es ein Chi Flow ist, und nicht nur unser Körper der dem Gedanken folgt, dass etwas passieren muss? Kann man sicher sein, dass unsere Reaktionen durch unsere Gedanken nicht beeinflusst sind?

- Louise


Diese Frage stellen sich viele am Anfang. Früher oder später wird im Chi Flow eine Bewegung passieren, auf die du selbst nie gekommen wärst. Dann wirst du deinen ganz persönlichen Beweis haben. Generell „muss“ aber nichts passieren. Es soll einfach passieren was von selbst geschieht. Wenn nichts passiert, passiert eben nichts. Meistens wird zwar etwas passieren, aber wir sollten nichts erwarten. Das ist Wu-Wei in Aktion.

Du machst gute Fortschritte und deine Chi Flows entwickeln sich ähnlich wie ich es schon bei vielen Schülern gesehen habe. Nur weiter so!


Chi Flow Bewegungen

Schüler bei einem Kurs in Irland erfreuen sich an interessanten, spontanen Chi-Bewegungen


Frage 5

Sifu, du hast am Freitag gesagt ich bin zurzeit grenzwertig was das Übertraining betrifft, zumindest habe ich das so verstanden. Das kam für mich etwas unerwartet, weil ich es selbst nicht gemerkt habe.

Jedenfalls gestern war ich müde und matt und auch ganz dezente Anzeichen von Over-Cleansing waren schon wieder da. Ich habe gestern nicht geübt.

- Bernhard

 

Zunächst eine Grundsatzinformation, die einiges aufklären wird:

Over-Cleansing ist das Resultat von Over-Training. Das heißt, wenn du Over-Cleansing wahrnimmst, hast du bereits zu viel und/oder zu intensiv trainiert.

Mach vorerst eher nur eine Session pro Tag!

Die Intensität (=qualitativ) kann man über den Qi Gong-Geisteszustand und körperliche Anspannung steuern. Also, wenn du während dem Üben ein Liedchen im Kopf singst, bist du sicher nicht so tief im Qi Gong-Geisteszustand. Wenn du beim Kung Fu anspannst, fließt nicht so viel Energie. Beide Methoden sind natürlich keine Idealziele und man sollte sie sich nicht dauerhaft angewöhnen. Sie können aber Übertraining einbremsen.

Beim Kung Fu trainierst du vorübergehend nur die bewegten Elemente, also kein Standtraining. Du kannst dabei auch physische Kraft einsetzen.


Frage 6

Letztens habe ich mir gedacht, dass es bei unserem Training Zeiten gibt in denen man regelmäßig trainiert um gesünder, vitaler, klarer und effektiver zu werden und es auch Zeiten gibt in denen man nicht trainiert um diese Ziele angenehm und effektiv zu erreichen.

- Bernhard


Ganz genau. Oft ist bei uns weniger mehr! Unglaublich aber wahr!

 

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