Erfahrungsberichte der Schüler von Shaolin Wahnam Wien



Aus Platzgründen hier Bernhards vollständiger und motivierender Bericht über seine ersten Monate der Shaolin-Praxis und seine tiefgreifenden Erkenntnisse.
An dieser Stelle herzliche Gratulation für seinen tollen und raschen Fortschritt!


Mein Erfahrungsbericht

Heuer im Frühjahr (2014) dachte ich mir ich muss etwas tun. Nur was?

Nach langem Überlegen und Suchen was eigentlich zu mir passen könnte merkt ich, dass etwas asiatisches, etwas mystisches aber auch vielleicht eine Kampfkunst das Richtige für mich wäre. Ziemlich bald bin ich dann auf diese Seite hier gestoßen, hab sehr viel hier gelesen und dachte mir, wenn das wirklich alles funktioniert, dann ist es ein Wunder.

Ich war mir aber noch unsicher welchen Kurs ich nehmen sollte. Chi Kung? Shaolin Kung Fu? Taijiquan? Ich dachte mir Shaolin Kung Fu wird sicher sehr anstrengend, das nehm ich sicher nicht, obwohl es cool wäre. Taijiquan wollt ich eher nicht da ich mir dachte wieso sollte ich eine abgewandelte Form nehmen? Wenn, dann etwas richtiges. Und Chi Kung? Chi Kung wollt ich auch nicht, da es meine Mutter macht (bzw. etwas das sich auch Chi Kung nennt) und ich gleichzeitig von irgendwelchen Bewegungen die nichts bringen nichts halte, mehr noch mir wäre es peinlich und ich hätte Angst verspottet zu werden.

Effektivität war mein Gedanke, oder rückblickend zwanghafte Effektivität. Es soll mir etwas bringen und am besten sofort, viel und alles, Spaß ist Nebensache. Nun war ich natürlich in einem Dilemma. Ich will wissen, ob das alles wahr ist.

Glücklicherweise fielen die Termin so gut, dass ich nach einer wichtigen Prüfung direkt zu einer Probestunde Chi Kung gefahren bin und als ich vorher noch mit meiner Mutter über die Prüfung telefoniert habe und dann erwähnte was ich noch mach, hab ich das „Shaolin“ ziemlich betont, wie gesagt es ist ja peinlich. Aber Shaolin ist schon ein bisschen cool.

Als ich dann das erste Mal im Kwoon war, waren alle freundlich, aber alle waren fremd für mich und ich wusste nicht ob und was ich mit ihnen reden sollte und ließ es dann einfach.

Am Anfang gingen wir wie üblich eine kurze Runde im Raum und weil ich echt geschlaucht und gespannt war dachte ich trotzdem da schon „Was soll das jetzt bringen? Wo ist das Geheimnis?“. Die erste Übung die wir gemacht haben war Carrying the Moon und bis vor kurzem konnte ich diese Übung überhaupt nicht ausstehen, da bei mir der Atem einfach nicht reichte. Beim ersten Mal im Chi Flow spürte ich etwas, das in mir vom unteren Ende der Rippen hinauf bis in den Kopf ging und danach wieder dorthin runter. Die Gesichts- und Kopfmassage hab ich mir nicht komplett merken können am ersten Tag, was aber überhaupt kein Problem war.

Nach dieser ersten Übung hat uns Sifu gefragt ob es uns gut geht und die Antwort war eindeutig ja, mir ging es sogar überraschend gut. Die zweite Übung, die wir an diesem Tag gemacht haben, war glaub ich 3 Ebenen zur Erde. Eine Übung die anfänglich körperlich anstrengend sein kann, aber nach kurzer Zeit kein Problem mehr darstellt.

Am Weg nachhause war ich glücklicher und hab alles ein bisschen anders gesehen. Ich versuchte diesen Zustand möglichst lange zu genießen. Ein ähnliches Gefühl hatte ich als ich einmal meditierte, aber bei Weitem nicht so lang und so stark.

Ich habe daheim echt lange überlegt ob ich mich zu einem Kurs anmelden soll oder nicht, hab dann mehrere Tage darüber geschlafen, mit Absicht, einerseits weil ich nicht vorschnell handeln wollte, andererseits auch weil es für mich, der von Wissenschaft begeistert war und auch noch immer ist, einfach verrückt war. Ich hab die nächsten paar Wochen viel nachgedacht und mich auch gefragt wie ich dieses Chaos in meinem Kopf wieder loswerde. Irgendwann bin ich dann zu einem Punkt gekommen an dem ich feststellte Gravitation existiert und auch die anderen Dinge hören nicht auf zu existieren. Und weil Gravitation das Offensichtlichste war, hab ich mich daran festgehalten und wenn es wiedermal nötig war den Gedanken wiederholt.

Ich bin übrigens schon die Woche nach der Probestunde wieder in Shaolin Chi Kung gegangen und dieses Chaos ist erst so richtig danach gekommen. Dieser Schock, dass Chi wirklich existiert hat mich viel überdenken lassen, vor allem was ich will und ob ich wirklich im Herbst mit dem Physikstudium beginnen soll. Um es kurz zu machen ich habe mit dem Physikstudium begonnen. Wenn ich jetzt so überlege hab ich diese Zweifel relativ lang mit mir herumgetragen.

Zwei Monate nach Chi Kung habe ich übrigens auch mit Taijiquan angefangen und bin echt froh, dass es eine ernsthafte Kampfkunst ist. Jetzt nach vier Monaten Taijiquan wird es immer interessanter und interessanter. Die ersten Kampfanwendungen bzw Partnerübungen verleihen den sonstigen Basics eine Würze, die einen gerne in den Kwoon zum Üben kommen lässt.


Taijiquan Bernhard

Bernhard beim Tai Chi Chuan


Ich habe in dem halben Jahr in dem ich jetzt Shaolin Wahnam-Schüler bin Dinge verstanden und aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, wie ich es vorher nicht für möglich gehalten habe. Rückblickend hab ich das Gefühl, dass ich jetzt befreiter und lockerer bin. Vor kurzem ist mir aufgefallen wie gut ich mir plötzlich Namen merken kann und auch dass alte Erinnerungen manchmal viel klarer sind. Aber auch Teile von Musikstücken fallen mir viel leichter ein, was früher nie passiert ist. Ich bin auch besser gelaunt, aufmerksamer und freundlicher und Freundschaften sind mir wichtiger und klarer geworden. Menschen allgemein sind mir nicht mehr so egal wie früher und gleichzeitig bin auch ich mir mehr wert. Andererseits weiß ich jetzt auch, dass über andere Menschen nachzudenken, wieso, weshalb, warum sie so sind und nicht dies oder jenes tun einfach glück- und energieraubende Gedanken sind.

Gesundheitlich geht es mir auch besser. Ich habe seit Jahren mysteriöse Schmerzen für die noch kein Arzt die Ursache gefunden hat, obwohl ich schon bei über einem Dutzend Ärzte war. Wenn ich die Schmerzintensität mit der Zeit vor meiner „Entdeckung“, also vor Shaolin Chi Kung und Wahnam Taijiquan, vergleiche, dann beträgt heute die Intensität je nach Schwankung zwischen 60 und 75 %. Ich kann jetzt befreiter Leben und muss mir weniger Gedanken machen, nachdem sich jahrelang kaum etwas oder eigentlich gar nichts geändert hat.

Was mir auch aufgefallen ist, ich kann besser durch die Nase atmen, sie ist viel offener als vorher und als mir das aufgefallen ist kam ich kurz später drauf, dass ich in dem Moment nur durch ein Nasenloch geatmet habe. Es war sehr verblüffend für mich, dass ich jetzt durch ein Nasenloch mehr Luft bekomme als früher durch zwei.

Natürlich gibt es noch viel zu tun bzw. viel was ich noch erreichen will. Zum Beispiel will ich es schaffen jeden Tag Taijiquan zu üben. Ich will selbstbewusster werden. Ich will gesünder werden. Vielleicht fang ich eines Tages auch mit Shaolin Kung Fu an. Ich will mich weniger ablenken lassen und mehr Stärke haben das zu tun das ich für wichtiger halte. Ich hab nämlich manchmal das Gefühl als würde ich etwas versäumen. Es gibt da in mir den Wunsch ein guter Kampfkünstler zu sein und dazu muss ich lernen mich aufzuraffen und es zu tun. Eine Fähigkeit die ich auch allgemein brauchen kann. Was ich auch noch cool fände ist mehrere Kilometer laufen zu können ohne völlig ausgepowert zu sein.

Echtes Chi Kung ist übrigens auch keine Zauberei, doch wenn man fleißig übt hilft es einem auf verschiedenen Ebenen ein besserer Mensch zu werden. Es ist erstaunlich was das Fließen lassen von Energie und das Aufbauen von Energie bewirken kann. Wie das heutzutage oft verwendete „den inneren Akku wieder aufladen“. Mit weniger Strom scheint die Lampe schließlich auch nicht so hell ;)


Ich hab meinen Erfahrungsbericht über mehrere Tage geschrieben und es tut wirklich gut mal zu reflektieren. Dachte gar nicht, dass das so rauskommt. :)

Zum Abschluss meines Erfahrungsberichtes möchte ich noch René danken, weil durch seinen Erfahrungsbericht kam der Anstoß meinen hier zu schreiben.

Ebenfalls möchte ich hier Sifu Leo und Evelyn Sije danken für den Unterricht. Durch die teilweise andere Rüberbringung ist es meiner Meinung nach ein Plus um tiefer in die Künste einzutauchen und ein weiteres und breiteres Verständnis zu haben. Manchmal sind es echt nur einzelne Wörter die ausschlaggebend sind für ein Aha-Erlebnis.

Und auch Danke an all jene die diese Künste Jahrhunderte lang gepflegt, weitergegeben und entwickelt haben. Ich steh zwar erst am Anfang, dennoch hab ich das Gefühl es ist etwas Großes.

Mit Shaolin-Grüßen :)

- Bernhard

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Die Ausübung der angebotenen Shaolin-Künste ersetzen weder Arzt noch psychologische Betreuung, können jedoch jede medizinische Therapie begleiten und unterstützen.