Qi Gong und der Schlaf


Schlaf, die natürliche Energiearbeit

Schlafen ist der natürliche Weg sich mit frischer Energie aufzuladen, physische und emotionale Wunden zu heilen sowie die Geschehnisse des Tages zu verarbeiten und Disharmonien auszugleichen.

Qi Gong (inklusive Kung Fu und Tai Chi Chuan) bewirkt das Gleiche, nur dass wir dabei wach sind und raschere und effizientere Ergebnisse erzielen als im Schlaf. Lediglich 15 Minuten Praxis haben einen erfrischenden und oft auch heilenden Effekt.

Viele Praktizierende nehmen ein verändertes Schlafverhalten wahr wenn sie mit Qi Gong begonnen haben. Sie schlafen tiefer und besser, schlafen rasch ein und sind beim Aufwachen erholter als früher. Schlafstörungen lösen sich auf.

Für Morgenmuffel ist Qi Gong ein ideales Rezept um gut gelaunt in den Tag zu starten.


Yin Yang Mond


Yin & Yang und die „richtige“ Menge an Schlaf

Manche Fortgeschrittene stellen fest, dass sie statt der früher üblichen 8 Stunden Schlaf nur mehr 7 oder gar 6 Stunden Schlaf benötigen und sich trotzdem frisch und ausgeruht fühlen. Dies ist ein Beweis dafür, dass man die Zeit die man in seine Praxis investiert, doppelt zurückbekommt.

Wie in allen anderen Angelegenheiten auch dürfen wir unsere Künste jedoch nicht missbrauchen. Daher erzwinge durch deine Praxis nicht den Tag zu verlängern und gönne deinem Körper den Schlaf! Er ist weiterhin wichtig und wird dir sonst fehlen. Wenn sich die Schlafverringerung natürlich einstellt, dann freue dich darüber und nutze die gewonnene Zeit sinnvoll.

Besonders Kampfkünstler, die ihre innere Kraft (z.B. mit Zhan Zhuang) intensiv trainieren, merken jedoch, dass sie eher mehr Schlaf benötigen. Das liegt daran, dass der Schlaf auch dazu dient Yin und Yang auszugleichen. Die aktuelle Kapazität wird mit Yin symbolisiert, der Energiezuwachs mit Yang. Im Schlaf gleichen sich die beiden wieder aneinander an. Das heißt der Überschuss wird beseitigt und die Kapazität vergrößert.

Übertreibt es nicht mit dem Training, sondern lasst dem Körper Zeit sich an den Energiezuwachs zu gewöhnen! Sich ständig zu überladen führt früher oder später dazu, dass ihr euch schlaff und erschöpft fühlt und dann geballt einiges an Schlaf nachholen müsst. Gewonnen ist dadurch also nichts. Übertraining kann außerdem zu unangenehm drastischer Reinigung (over-cleansing) führen, was absolut nicht wünschenswert ist. Der Fortschritt, sowohl im Aufbau von Energie wie in der Reinigung, sollte immer stetig und graduell sein und unser Leben verbessern anstatt einzuschränken.


Powernap oder üben?

Generell ist ein Mittagsschlaf für die meisten Praktizierenden nicht nötig. Zumindest, wenn sie sich an die optimale Empfehlung von 2x täglich 15 Minuten Praxis halten.

Sollte es nach einer anstrengenden Woche jedoch mal nötig sein, kann man natürlich ein kurzes Schläfchen halten oder eine Einheit Qi Gong einschieben, solange man nicht regelmäßig öfter als 2x täglich praktiziert. Besonders geeignet sind dafür Übungen wie das Ringelspiel, Berge schieben und Wasser heben, sowie natürlich ein Kung Fu- oder Tai Chi Chuan-Set.


Qi Gong direkt vor dem Schlafengehen?

Oft werde ich gefragt, ob man Qi Gong direkt vor dem Schlafengehen praktizieren kann.

Hierauf gibt es keine eindeutige Antwort, da es zweierlei Typen gibt:
Typ 1 - ist nach der Praxis so aufgeladen und aufgedreht, dass er nicht gleich einschlafen kann.
Typ 2 - schläft sobald er die Decke übergezogen hat sofort wie ein Baby ein.

Welcher Typ du bist findest du ganz einfach durch eigene Erfahrung und Ausprobieren heraus.

Der Typ kann sich während der Praxis auch immer wieder mal ändern. Beobachte einfach wie die Energie zu verschiedenen Zeitpunkten, durch unterschiedliche Übungen und mit gesteigertem Können auf dich wirkt!

Wenn du zum Typ 1 gehörst, verlege dein Training auf den frühen Abend (z.B. wenn du von der Arbeit/Schule/Uni heimkommst) und nutze die gewonnene Energie um den Abend umso mehr zu genießen.

Typ 2 hat es da umso einfacher und genießt einfach seinen Schlaf! :)


Schlafenszeit

Mitternacht die zweitbeste Zeit für die Praxis. Allerdings ist es langfristig besser um Mitternacht bereits zu schlafen.

Nach der Lehre der TCM ist es am besten von ca. 22:00 bis 6:00 zu schlafen. Dadurch kommt auch in den Genuss die beste Zeit für die Praxis zu nutzen, nämlich den Sonnenaufgang.


Abhilfe für Probleme beim Einschlafen

Manchmal passiert es wohl jedem dass man nicht gut einschlafen kann und sich im Bett hin und her wälzt. Wenn man eigentlich nicht müde ist, macht es wohl mehr Sinn aufzustehen und die Zeit zu nützen. Wenn man aber schläfrig ist, sich jedoch mit Gedanken herumplagt, kann eine einfache Übung hervorragend helfen.

Welch Überraschung! Es handelt sich um das wundersame „Himmel anheben“!

Anders als üblich kannst du die Übung auch im Bett liegend ausführen.

Dazu legst du dich einfach symmetrisch hin, entspannst dich und nimmst den Qi Gong-Geisteszustand ein. Dann setzt du die Hände wie gewohnt mit geraden Armen unten an und führst sie mit dem Einatmen nach oben. Gehe so weit hoch wie es das Kopfende deines Betts bzw. die Wand möglich macht und führe die Hände anschließend mit dem Ausatmen an die Seite. Anders als bei der regulären Praxis ist das Ziel nicht der Chi Flow sondern den Geist zu beruhigen. Nach etwa 10 Wiederholungen wirst du wie ein Baby schlafen. Gute Nacht!


Autor: Sifu Leonard Lackinger

 




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